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Das chinesische Handelsministerium sieht das bestehende erhebliche Ungleichgewicht im Außenhandel mit großer Sorge. Auf einer Konferenz zur Handelspolitik hat am 18. August das Handelsministerium angekündigt, in Kürze einen Maßnahmenkatalog zur Förderung der Importwirtschaft vorzulegen.
Das Shanghaier Ausstellungszentrum für Importgüter ist als wichtigste Plattform zur Importförderung gegründet worden. Es soll im Januar 2011 offiziell den Betrieb aufnehmen.
Wei Jianguo, Generalsekretär des Chinesischen Zentrums für internationalen Wirtschaftsaustausch (CCIEE) und ehemaliger Vize-Handelsminister Chinas, meint, dass dieses Ausstellungszentrum ein Novum für China sei. Es sei ein Signal dafür, dass Chinas Handelspolitik sich von einseitiger Ermutigung des Exports zu einer Betonung der Balance zwischen Im- und Export wandelt.
Ein ungenannter Mitarbeiter des Handelsministerium macht deutlich, dass sein Haus eine Reihe von Einzelmaßnahmen zur Anregung der Importe ergriffen habe. Darunter etwa die Aufhebung von Importkontingentierungen. In einem nächsten Schritt beabsichtige die Regierung, Foren zur Importwirtschaft zu organisieren, und verstärkt Handelsdelegationen nach Übersee zu entsenden, die Aufträge vergeben sollen.
Yao Jian, Pressesprecher des Handelsministeriums, kündigt für September 2010 ein Importforum in Beijing an. „Durch eine gezielte Förderung der Importwirtschaft soll eine ausgewogene Entwicklung im chinesischen Außenhandel herbeigeführt werden", sagt Yao.
Erste Plattform zur Förderung des Imports
Johan Cauwenbergh, Leiter der Kooperationsabteilung der EU-Delegation für China und die Mongolei, ist der Ansicht, dass das Ausstellungszentrum für Importgüter dazu beitragen werde, Produkte aus der EU auf dem chinesischen Markt einzuführen und den bestehenden Überschuss im Handel zwischen China und der EU von mehr als einer Milliarde Euro zu verringern und langfristig auszugleichen.
Nach Angaben der Shanghaier Handelsbehörde könnten die künftig im Ausstellungszentrum präsentierten Importwaren von Steuererleichterungen profitieren.
Dass diese erste Plattform zur Förderung der Importwirtschaft sich gerade in Shanghai ansiedelt, liegt hauptsächlich an der bedeutende Rolle, die diese Stadt für den Außenhandel des Landes spielt. Im ersten Halbjahr 2010 wurden über den Hafen von Shanghai Importwaren im Wert 177,18 Milliarden US-Dollar umgeschlagen, was einem Wachstum von 52 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres entspricht. 27,3 Prozent des gesamten Importvolumen Chinas wird über den Shanghaier Hafen abgewickelt.
Sha Hailing, Vize-Generalsekretär der Stadtregierung von Shanghai, macht darauf aufmerksam, dass mehr als ein Viertel der nach China eingeführten Waren über den Shanghaier Hafen ins Land kommt: „Die stabile Entwicklung von Chinas Importwirtschaft ist vorteilhaft für die Außenhandelbilanz."
Ausgeglichene Handelsbilanz als Zielvorgabe
Diesen Jahren hat Chinas Handelsministerium erhebliche Anstrengungen unternommen, um den Import zu fördern und die Überschüsse im Außenhandel zu reduzieren. Im Jahr 2010 wurden Chinas Einfuhrzölle durchschnittlich auf 9,8 Prozent des jeweiligen Warenwertes abgesenkt. Außerdem hat China seit dem 1. Juli 2010 damit begonnen, den ärmsten Ländern schrittweise Zollfreiheit einzuräumen.
Yao Jian sagt: „Selbst als noch allein auf die Exportwirtschaft gesetzt wurde, hat das Handelsministerium stets betont, dass Importe für den Wandel der Wirtschaftsstruktur und eine nachhaltige Entwicklung des Landes eine wichtige Rolle spielen."
Wei Jianguo meint, dass Fördermaßnahmen zugunsten des Imports durchaus dazu führen könnten, dass es in Einzelmonaten zu einem Importüberschuss kommt. Für das Jahr 2010 lässt sich eine Absenkung des hohen Exportüberschusses im Vergleich zum Vorjahr voraussagen.
Der Wechsel von einer Anregung der Exportwirtschaft zur Förderung der Importwirtschaft hat auch zur Wiederbelebung der Weltwirtschaft beigetragen. Wei schildert Eindrücke, die er kürzlich auf einer Handelskonferenz in Südasien gewonnen hat. Dort gaben die Vertreter der ASEAN-Länder zu verstehen, dass die große Nachfrage aus China ihren Industrien dabei geholfen habe, in der Wirtschaftskrise zu überleben.
Obwohl die Importquote in China erhöht wird, darf man nicht blindlings alles importieren: „Man muss gründlich darüber nachdenken, was aus welchem Land eingeführt werden soll", sagt Wei. „Am besten importieren wir Produkte, die uns den Weg zur technologischen Innovation ebnen können", so der ehemalige Vize-Handelsminister weiter. (Quelle: 21.cbh) |