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Im Schlusskommuniqué der Gipfelkonferenz der wichtigsten Wirtschaftsnationen in Toronto wurde Ende Juni 2010 in Aussicht gestellt, dass die hohen Defizite, welche die Staatshaushalte der meisten Industrieländer aufweisen, bis zum Jahr 2013 halbiert und bis 2016 ausgeglichen werden sollen. Das Versprechen zum Schuldenabbau bleibt jedoch eine Absichtserklärung ohne bindende Wirkung.
Der Hauptstreitpunkt zwischen den Vereinigten Staaten und Europa – die Frage, ob das Schnüren von Konjunkturpaketen mit geliehenem Geld zu Lasten der Steuerzahler oder aber ein Rückgang der Staatsverschuldung das Gebot der Stunde sei – setzt sich auch jenseits des Gipfels von Toronto fort.
In seinem Resümee der Tage von Toronto verteilte US-Präsident Barack Obama die politischen Gewichte etwas anders als die Europäer: die Teilnehmer hätten sich darauf verständigt, dass es „kurzfristig weiteren Wachstums bedürfe und mittelfristig Nachhaltigkeit bei den Staatshaushalten." Er legte Wert auf die Feststellung, dass die "Gesundheit des Staatshaushalts in der Zukunft in nicht geringem Maße von unserer Fähigkeit in der Gegenwart abhängt, Arbeitsplätze und Wachstum zu schaffen." Offener Dissens wurde so vermieden. Aber auch in einer anderen Frage, zu der man in Toronto eigentlich die Marschrichtung vorgeben wollte, wurde keine Einigung erzielt: eine konzertierte Aktion zur Regulierung des Bankenwesens und die Art und Weise, wie internationale Großbanken an den Kosten zur Rettung der Finanzmärkte nach der Kreditkrise beteiligt werden sollten.
Ringen um ein neues Finanzsystem
Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 schienen sich die Politiker der Welt einig: die Finanzmärkte müssten reguliert werden und diese Regulierung sollte in gemeinsamer Absprache vollzogen werden. Für einen globalisierten Markt sollte es künftig weltweit gültige Regeln geben. Von diesem guten Vorsatz ist zwei Jahre später wenig übrig geblieben: nationale Alleingänge bestimmen das Bild. Über ihren Nutzen kann allein schon deshalb gestritten werden, weil in fast jedem Land eigene Regeln gelten, die von einer globalisierten Finanzwirtschaft leicht als Schlupflöcher gebraucht werden können, um sich einer wirksamen Kontrolle zu entziehen oder riskante Geschäftsfelder in Regionen auszulagern, die weniger strenge Vorschriften kennen.
Die Ursachen für die Verweigerung eines gemeinsamen Handlungsrahmens sind vielfältig. Nicht alle Banken auf allen Kontinenten waren im gleichen Maße von der Kreditkrise betroffen. So sehen Kanada und Brasilien, aber auch Japan keinen gesteigerten Bedarf, ihren Kreditinstituten Zügel anzulegen, denn auch in der Krise sind diese angeblich nicht über das Ziel rationalen Geldmanagements hinausgeschossen. Ein strikteres Regelwerk würde ihren Bankensektor in ungerechtfertigter Weise behindern. Aber diese Sichtweise unterschätzt noch immer den hohen Grad der Vernetzung des Kreditgeschäfts über die Kontinente hinweg. Dass in der gegenwärtigen Finanzwelt niemand mehr eine Insel ist, mussten in schmerzlicher Weise die Isländer erfahren, deren Wirtschaftswunder sich im Gefolge des Einbruchs bei den amerikanischen Immobilienhypotheken jäh in eine Megakrise verwandelte.
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