01-02-2010
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Frühlingsreise
von Wu Yanfei

Chunyun, auf deutsch „Frühlingstransport", ist wieder ein heißes Thema in China. Denn das Frühlingsfest steht vor der Tür, in diesem Jahr fällt das traditionelle Familienfest sogar auf den Valentinstag am 14. Februar, eine sehr romantische Kombination! Aber um in der Heimat ein romantisches Frühlingsfest zu feiern, muss man zuerst eine der hart umkämpften Fahrkarte ergattern. Die Zahl der Reisenden ist riesig. Verkehrsexperten rechnen in der Zeit zwischen 30. Januar und 10. März, also 15 Tage vor und 25 Tage nach dem Frühlingsfest, mit dem größten Ansturm. Erfahrungsgemäß werden in diesem Zeitraum mehr als 200 Millionen Fahrgäste befördert. Experten schätzen, dass an Spitzentagen mehr als 6,5 Millionen Menschen auf Achse sind.

Dass man zum Frühlingsfest unbedingt nach Hause will, geht auf eine lange Tradition des chinesischen Familienlebens zurück: Die Liebe zu den Eltern, die Liebe zur Familie wird in China als die wichtigste Tugend angesehen. So wollen die Wanderarbeiter, egal in welcher Ecke des Landes sie ihr Brot verdienen, das Frühlingsfest unbedingt in der Heimat feiern. Wegen des Wohlstandsgefälles zwischen Ostchina auf der einen, Zentral- und Westchina auf der anderen Seite, haben viele Chinesen ihre Heimat verlassen, um ihren Lebensunterhalt in der Fremde zu verdienen.

Zur Zeit gibt es in China über 200 Millionen Wanderarbeiter, sie arbeiten vor allem in Beijing, Shanghai, Hangzhou oder in den Städten der Deltaregion des Perlenflusses in Südchina. Deswegen ist es in diesen Gebieten besonders schwer, vor dem Frühlingsfest eine Eisenbahnfahrkarte zu besorgen. Für eine Fahrkarte nach Hause muss man manchmal zwei Tage lang Schlange stehen. Zum Frühlingsfest ist eine Fahrkarte im wörtlichen Sinne Gold wert.

Der Winter ist eiskalt und die Schlange vor dem Schalter ist endlos lang, aber ich glaube, dass im Inneren jeder Wartende ein warmes Gefühl hegt, denn bald wird man wieder mit der Familie zusammensein. Ich wünsche ihnen allen eine gute Fahrt nach Hause!