31-03-2009
Video
Olympisches Areal-Nachnutzung
von Sonja Broy

 

 

Landesweit neues Eigentumsmodell

Mit dem Vogelnest setzt Beijing erstmals auf ein neues öffentlich-privates Eigentumsmodell, auch das eine landesweite Neuheit. Die chinesische CITIC-Group besitzt 42 Prozent der Rechte am Vogelnest und darf es darüber hinaus für dreißig Jahre verwalten, 58 Prozent der Rechte gehören weiterhin der Regierung. Den Ertragswert des Nationalstadions und dem in unmittelbarer Nachbarschaft liegenden Nationalen Schwimmcenter, dem „Wasserwürfel“ mit ebenfalls charakteristischem Design, schätzt Leverage Agency Geschäftsführer und Gründer Ben Sturner auf 4 bis 6 Millionen Dollar jährlich (3,1 bis 4,6 Millionen Euro). Zhang Hengli, stellvertretender Manager des Stadiums, möchte sich nicht im Detail zu den Zukunftsplänen äußern, rechnet aber damit, dass es dreißig Jahre dauern wird, bis die Baukosten wieder eingespielt sind.

Ein Pluspunkt für das Vogelnest: es ist das einzige moderne Stadion in der 15-Millionen Einwohner Metropole Beijing. Großveranstaltungen werden bisher im 1959 erbauten „Workers´ Stadium“ mit seinen 58 000 Plätzen abgehalten. Kurzzeitig im Gespräch war der Einzug des Beijinger Profi-Fußball-Clubs Guo'an. Diese Pläne wurden allerdings wieder auf Eis gelegt. „Der Fußballverein hat Probleme, die 20 000 Sitze in seinem derzeitigen Stadion zu füllen, dass es ihm gelingt, das Vogelnest mit 91 000 Plätzen voll zu kriegen, ist äußerst unwahrscheinlich. Will der Verein Gewinn machen, müssten mindestens 50 000 Fans zu jedem Spiel kommen“, meint Zheng Xialong, ein Sportreporter der Beijing Times, zum Scheitern der Pläne.

 

Transformation ist eingeläutet

Ohne zusätzliche Neuerungen und einen Dauermieter droht das Besucherinteresse auf lange Sicht abzuflauen und das Vogelnest damit zu einem Millionengrab zu werden. Lediglich ein Großereignis ist für dieses Jahr fest gebucht. Zhang Yimou, der Regisseur der olympischen Eröffnungszeremonie, wird ein Jahr nach seiner großen Inszenierung die Puccini- Oper „Turandot“ aufführen. Nach Angaben der CITIC-Group soll im Mittelpunkt einer künftigen Nutzung Sport und Unterhaltung stehen, nicht zu vergessen natürlich Einkaufsmöglichkeiten, denn in Konsumtempel lassen sich Chinesen immer noch am leichtesten locken.

Trotz der noch fehlenden Großinvestoren und Mieter ist der Vizepräsident der „Beijing Olympics Research Association“, Du Wei, überzeugt davon, dass das neue Nationalsymbol eine Zukunft hat: „Erst einmal auf den richtigen Weg gebracht, wird das Vogelnest auch erfolgreich sein. Um für ein Stadion dieser Größe das richtige Nutzungsmodell zu finden, braucht man fünf bis acht Jahre.“

Zwei neue Attraktionen läuten die Transformation des Stadions ein: Auf dem olympischen Grün wartet ein Vergnügungspark auf seine Öffnung und in der dritten Etage des Vogelnestes wird an einem Restaurant gearbeitet, in dem schon rein optisch die Erinnerung an Olympia wieder aufleben soll.

Noch jedenfalls bieten die kleinen Imbissbuden auf dem Vorplatz die einzige Möglichkeit, an eine Erfrischung zu kommen. Selbst das Riesenrad des Parks wirkt winzig gegen die Dimensionen des Nationalstadions. Die Hoffnung in Beijing, mit dem Vogelnest dauerhaft einen neuen Anziehungspunkt geschaffen zu haben, ist dennoch ungebrochen.

 

Wasserwürfel: Verwandlung zum Olympischen Spaßbad

Wo der US-Amerikaner Michael Phelps mit acht Goldmedaillen Sportgeschichte schrieb, dürfen bald die Beijinger ihre Bahnen ziehen.

In Nachbarschaft zum olympischen Stadion liegt das Nationale Schwimmzentrum, der Wasserwürfel. Auch dieser Bau besticht durch seine futuristische Architektur. Seine Außenhaut erinnert an gigantische Bienenwaben und hilft gleichzeitig, Energie zu sparen.

Wirkt der Bau derzeit noch hermetisch abgeschirmt, soll hier doch bereits in den kommenden Monaten ein Spaßbad mit Wellnessbereich entstehen, für das 12 000 der 17 000 festinstallierten Sitzplätze weichen werden. Aber für sportliche Wettkämpfe soll weiterhin Platz sein.

Die ersten Stuhlreihen wurden bereits entfernt, davon können sich Touristen momentan für einen Eintrittspreis von umgerechnet 3,60 Euro überzeugen, der es ihnen erlaubt, ganz entspannt durch die Schwimmhalle zu flanieren.

„Wenn man hier schwimmen kann, werde ich auf jeden Fall wiederkommen“, so eine Beijinger Studentin, die mit ihrer Freundin eifrig für Fotos mit dem Pool im Hintergrund posiert.

Für Erfrischung ist in der Vorhalle gesorgt, dort lässt sich auch das Water Cube-Water aus Kanada käuflich erwerben, man muss es also nicht mit seinem Zahnputzglas aus dem Becken schöpfen. Da die Eintrittsgelder aus dem Bäderbetrieb kaum reichen dürften, um die Betriebskosten der Anlage zu decken, spülten zwischenzeitlich schon die Lizenzen für das kanadische Mineralwasser aus dem Hochpreissegment - eine 1,5 Liter-Flasche ist in chinesischen Supermärkten für rund 2,40 Euro zu haben - sowie Bademoden mit dem Logo des Würfels Geld in die Kassen. Eine farbenfrohe Musik- und Lasershow sorgte außerdem pünktlich zur „Goldenen Urlaubswoche“ rund um den Nationalfeiertag im vergangenen Oktober für volle Ränge.

Im Unterschied zu den anderen olympischen Anlagen steht der Betreiber, die staatliche „Assets Management Company“, nicht vor dem Problem, finanzielle Verbindlichkeiten aus der Bauphase auszugleichen, wurde der Wasserwürfel doch mit Hilfe der Spenden von Auslandschinesen gebaut.

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