| Viele Menschen, darunter auch zahlreiche Ausländer, lernen Meister Xuecheng neuerdings über das Internet kennen. Der Abt dreier in China sehr bekannter Klöster ist nämlich auch ein erfahrender Blogger.

Meister Xuecheng
Bereits im Februar 2006 machte Meister Xuecheng seinen eigenen Blog auf. Damals war er der erste Mönch Chinas, der sich in der Blogosphäre tummelte. Seit dem 11. April ist sein Microblog auf Weibo online.
Am 17. Februar des vergangenen Jahres ist seine Weibo-Seite zu einer achtsprachigen Plattform zur Verbreitung des Buddhismus ausgebaut worden, und heute neben Chinesisch auch auf Englisch, Deutsch, Französisch, Russisch, Spanisch, Japanisch und Koreanisch aufrufbar. Die Texte werden sofort nach der Veröffentlichung im chinesischen Original von Freiwilligen unter anderem aus den USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, der Schweiz, Belgien, Kuba, Russland, Venezuela, Südkorea und Japan übersetzt und ins Netz gestellt.
Nach Meinung von Meister Xuecheng sollten alle Organisationen und möglichst viele Einzelpersonen die Social Media beherrschen lernen, damit Menschen aus möglichst allen Bereichen gleichberechtigt miteinander kommunizieren können. Leute, die in der bürgerlichen Gesellschaft über die ganze Welt verteilt leben, könnten so vom Alltagsleben der Mönche in Tempeln erfahren und deren Gedanken kennen lernen. Und die Klosterbrüder würden so den Menschen dabei helfen können, die Probleme zu überwinden, denen sie im weltlichen Alltag begegnen. „Ich finde, dass dies eine effektive Methode ist. Und sie kostet nicht viel", sagte Meister Xuecheng lächelnd.
Meister Xuecheng hat nun Anhänger überall in der Welt: in mehr als 100 Ländern und Regionen! In einem Jahr ist die Zahl seiner Follower auf mehr als 200 000 gestiegen.
„Wenn wir die Sache rein aus der Perspektive der buddhistischen Geisteshaltung und Lehre betrachten, brauchen wir keinen Zugang zum Internet. Aber da die Menschen heute regelmäßig ins Internet gehen, und die meisten Leute nicht genug Zeit haben, Veranstaltungen im Tempel zu besuchen, ist das Internet für die Verbreitung des Buddhismus und zum Wohl der Menschen draußen in der Welt sehr wichtig geworden." Meister Xuecheng sagt, dass ihm zunächst gar nicht bewusst war, dass sein Blog so eine enorme Breitenwirkung entfaltet hat. Aber heute weiß er, dass es dank des Internets möglich ist, Buddhismus und Gesellschaft eng miteinander zu verbinden.
Zwischen Chatroom und Mönchsklause
Mit den Usern zu chatten ist für ihn längst zur Alltagsroutine geworden.
Jeden Tag beantwortet Meister Xuecheng online die spirituellen Fragen, die die Netzgemeinde an ihn heranträgt, und versucht, den Menschen dabei zu helfen, ihre Probleme zu lösen.
„In den letzten Jahren, vor allem in den letzten zehn Jahren, hat sich die chinesische Wirtschaft rasant entwickelt, wodurch sich das materielle Leben der meisten Menschen in China stark verbessert hat. Die Bedürfnisse der Menschen nach geistlichem Leben und religiösen Überzeugungen sind ebenfalls gewachsen. Dies ist ein neues Phänomen in der Entwicklung der Gesellschaft", meint Meister Xuecheng. "Das Leben der Menschen besteht nicht nur aus materiellen Erfordernissen, sondern auch aus geistigen und geistlichen. Religionen gewinnen eine immer größere Attraktivität unter den Menschen. Wobei sich die Angebote von Buddhismus, Taoismus, Islam, Katholizismus und Protestantismus durchaus voneinander unterscheiden", sagt Xuecheng.
Als eine geraffte Zusammenfassung der buddhistischen Lehre wie sie von Meister Xuecheng über das Internet verbreitet wird, ist am 29. Februar 2012 die achtsprachige Schrift „Mönche und Weibo – 365 Tage im Beijinger Longquan-Tempel" veröffentlicht worden. Es handelt sich dabei um eine Sammlung der Texte, die über das Leben und das Studium der Mönche im Longquan-Tempel auf Weibo veröffentlicht worden sind.
„Buddhismus gründet auf dem Glauben, hat die Befreiung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten als Ziel, betrachtet die Lehre als seinen Mittelpunkt und sieht Kultur als einigendes Band zwischen den Menschen", sagt der Meister.
Er erteilt nicht nur wie ein „Professor" den Mönchen Unterricht in der buddhistischen Lehre, sondern fördert auch die Zusammenarbeit zwischen den verschiedensten Bereichen der Wissenschaft und der buddhistischen Religion. Zahlreich sind die Experten und Wissenschaftler, die in den Tempel eingeladen werden, um den Mönchen Vorträge über traditionelle Kultur und wissenschaftliche Frage zu halten. Im Gegenzug öffnet Meister Xuecheng das Tempeltor für Gäste, die etwas über den Buddhismus erfahren möchten.
Zudem hat der Longquan-Tempel auf seiner Webseite ein „Internet-Institut für Buddhismus" eröffnet. Darin gibt es Videos und Tonaufnahmen, die dem User Vorträge und Lehrreden zugänglich machen. Bislang bietet die Webseite den Service in drei Sprachen an, Chinesisch, Englisch und Japanisch. Besucher aus mehr als 170 Ländern und Gebieten klicken diese Seite regelmäßig an.
„Ausländer, die China kennen lernen möchten, können hier vielleicht im Kleinen sehen, wie Chinesen sich verhalten", sagt Meister Xuecheng. Der achtsprachige Blog auf Weibo soll dabei helfen, die Sprachbarriere zu überwinden, die sich zwischen dem chinesischen Buddhismus und dem ehrlichen Interesse der Ausländer erhebt. Nur so können diese einen Einblick in das Leben und die Gedanken der Mönche gewinnen.
„Um zum kulturellen Austausch zu reifen, muss das Interesse gegenseitig sein. Dabei sind Kollisionen und Reibungen unvermeidlich. Aber man nur so lässt sich Gemeinsamkeiten finden", zeigt sich Meister Xuecheng überzeugt. „Durch Gemeinsamkeit entsteht Übereinstimmung. Und durch Übereinstimmung entsteht Freundschaft."
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