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EXPORTÄNGSTE: Hafen Lianyungang in der Provinz Jiangsu. Chinas Exportwirtschaft steht unter Druck. Die Auslandsnachfrage sinkt.
Einige Risiken bleiben
Während die schwächelnde Weltwirtschaft dem chinesischen Exportsektor den Wind aus den Segeln nimmt, vermehren sich auch die Sorgen im Land selbst, vor allem durch die Investitionen auf dem Immobilienmarkt und die Finanzierungsprobleme bei kleineren Firmen.
In der Zeit von Januar bis März erreichten die Exporte Chinas eine Höhe von 327,72 Milliarden Euro, 7,6 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Demgegenüber stiegen die Importe um 6,9 Prozent und erreichten eine Höhe von 327,15 Milliarden Euro. Der Handelsüberschuss betrug somit 570 Millionen Euro.
„Die Handelsdaten zeigen, dass sich die Weltwirtschaft langsam aber sicher erholt", sagt Zhou Hao, Volkswirt der ANZ Bank in Shanghai.
„Die Tatsache, dass China einen Handelsüberschuss im ersten Quartal erwirtschaftet hat, während zur selben Zeit des vergangenen Jahres noch ein Handelsdefizit stand, zeigt auch einen positiven Einfluss auf das Wachstum des BIP", so Zhou.
„Die Exportaussichten sind jedoch trüb. Wolken sammeln sich über der Weltwirtschaft und verdunkeln das heimische Geschäftumfeld", meint Zhou.
Unterdessen hängen auch über dem abkühlenden Eigentumsmarkt die Gewitterwolken einer tiefen Verunsicherung. Die Wohnungspreise steigen nur noch leicht, die Agenturen bieten inzwischen Rabatte, um Geschäftsabschlüsse zu erzielen.
„Die landesweiten Wohnungspreise liegen im Juni voraussichtlich um 10 Prozent unter den Preisen vom vergangenen Jahr. Gleichzeitig wird aber erwartet, dass sich das Verkaufsvolumen im Jahr 2012 nur in geringem Maße verändert oder sogar abrutscht", sagt Bei Fu, ein Analyst des Hongkonger Büros der Ratingagentur Standard and Poor´s. „Viele Immobilienentwickler sehen sich vor wachsende Probleme bei der Refinanzierung ihrer Projekte gestellt. Grund sind schwächere Kaufabschlüsse, hohe Kapitalbeschaffungskosten und eine eingeschränkte Liquidität."
„Eine wichtige Ursache für die derzeitige Abkühlung sind die strengen Regelungen auf dem Immobilienmarkt", meint Ba.
„Aber die Entscheidungsträger werden da wohl kaum den Fuß von der Bremse nehmen. Immerhin geht es darum, die schwindelerregenden Wohnungspreise wieder auf ein vernünftiges Niveau zu bringen."
Nach Beis Einschätzung wird sich die langsamere Entwicklung der Investitionen auf dem Immobilienmarkt wahrscheinlich auch insgesamt auf das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft auswirken.
Industrieunternehmen mit einem Jahresumsatz von über 20 Millionen Yuan erzielten in den ersten beiden Monaten dieses Jahres Gewinne in Höhe von 606 Milliarden Yuan (73 Milliarden Euro) und liegen somit nach Angaben des Statistikamtes 5,2 Prozent unter den Gewinnen im selben Zeitraum des vergangenen Jahres.
Auch die Klagen der kleinen Unternehmen sind unüberhörbar. Kapitalengpässe, Arbeitskräftemangel und eine schleppende Nachfrage führen zu Wettbewerbsnachteilen. Die Zeitungen sind voll mit Berichten über Fabriken in den Provinzen Guangdong und Zhejiang, die nur geringe Gewinnmargen aufweisen oder es nicht schaffen, in ausreichendem Umfang Arbeitskräfte einzustellen.
„Die kleinen und mittelständischen Unternehmen stehen vor größeren Herausforderungen als im Jahr 2008, als China die Auswirkungen der Finanzkrise voll zu spüren bekam", sagt Zhu Baoliang, am Informationszentrum der Staatlichen Kommission für Entwicklung und Reform.
„Dazu kommt, dass sich das Land ernsthaft mit Gefahren auseinandersetzen muss, die sich schon jetzt anbahnen, nämlich abnehmenden Investitionen im Immobilenbereich, dem Schuldenberg der Lokalregierungen und den Risiken im Finanzsektor, die von einer privaten Kreditvergabe ausgehen."
Die Bank of America Merrill Lynch erwartet, dass sich Chinas Wirtschaftswachstum von 9,2 Prozent im Jahr 2011 auf 8,6 Prozent im Jahr 2012 verringern wird.
Die größten Risiken sieht sie dabei in der Schuldenkrise der Euroländer und dem Rückgang der Investitionen im Immobilienbereich.
„Die älter werdende Bevölkerung, ausbleibende Gewinne bei Kapitalinvestitionen und scheiternde institutionelle Reformen können dazu führen, dass Chinas Wirtschaft langfristig Stück für Stück abkühlt", so der jüngste Bericht der Bank. |