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SINKENDE INFLATION: Auf dem Gemüsemarkt in Tianjin. Der Inflationsdruck lässt nach und gibt der Regierung mehr Spielraum für konjunkturfördernde Maßnahmen.

MANGEL AN ARBEITSKRÄFTEN: Personalwerber vieler kleiner und mittlerer Betriebe suchen auf einer Arbeitsbörse in Yiwu in der Küstenprovinz Zhejiang händeringend nach Arbeitskräften.
Im ersten Quartal des Jahres 2012 wächst Chinas Wirtschaft weiter. Die Zukunft hält jedoch große konjunkturelle Herausforderungen bereit.
Die chinesische Wirtschaft bleibt auch weiterhin gut im Tritt, auch wenn eine Reihe wirtschaftlicher Indikatoren Spekulationen über einen Abschwung auslösen.
Im ersten Quartal 2012 stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,1 Prozent und erreichte eine Höhe von 10,8 Billionen Yuan. Nach den Angaben des Statistikamtes liegt das Wachstum damit jedoch unter den Raten von 8,9 Prozent im 4. Quartal 2011 und von 9,2 Prozent im gesamten vergangenen Jahr.
„China hat die schlimmsten Liquiditätsengpässe hinter sich. Es dauert aber noch ein bisschen, bis wachstumsfördernde Maßnahmen greifen", erklärt Ba Shusong, stellvertretender Leiter des Instituts für Finanzen am Forschungszentrum für Entwicklung des Staatsrates.
„Der Tiefpunkt des Wachstums wird für das zweite Quartal erwartet. Im vierten Quartal soll es dann wieder aufwärts gehen", so Ba.
„Neue Bedenken hinsichtlich einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft sind nicht gerechtfertigt, weil der Dienstleistungssektor des Landes sehr stabil ist", meint auch Lu Ting, Volkswirt bei der Bank of America Merrill Lynch. „Die verarbeitende Industrie, die im Moment schwächelt, ist nur ein Teil der gesamten Wirtschaft und außerdem anfällig gegenüber Schwankungen."
Nach Angaben des Statistikamtes trug die Industrie im ersten Quartal 47,6 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, Landwirtschaft und Dienstleistungen 6,4 Prozent, beziehungsweise 46 Prozent.
Während das Exportvolumen aller Wahrscheinlichkeit nach in Zukunft nachlassen wird, bleibt der Konsum auf dem chinesischen Binnenmarkt relativ stabil. Nach einem Bericht der Bank of America Merrill Lynch ist die Ursache dafür in der stabilen Einkommensentwicklung, dem Vertrauen der Wirtschaft in die Binnennachfrage und die Steigerung der Renten im Jahr 2012 zu finden.
Lian Ping, Chefvolkswirt der Bank of Communications Ltd., sieht für die chinesische Wirtschaft aufgrund des großen Wachstumspotentials eine glänzende Zukunft.
„Das enorme Ausmaß von Urbanisierung, Industrialisierung und Marktreformen wird der Wirtschaft immer wieder neuen Auftrieb verschaffen", so seine Ansicht. „Zudem holen die unterentwickelten Regionen West- und Zentralchinas schnell auf, weil bestimmte Industriezweige aus dem Osten des Landes dorthin verlegt werden."
Inflation lässt nach
Derzeit hat es den Anschein, als sei die chinesische Wirtschaft nicht länger durch Inflation bedroht. Der rasante Anstieg der Verbraucherpreise zeigt Anzeichen einer Drosselung, auch wenn eine mögliche Rückkehr erhöhten Inflationsdrucks nicht ausgeschlossen werden kann.
Der Verbraucherpreisindex, ein Gradmesser der Inflation, stieg im März im Vergleich zum Vorjahr um 3,6 Prozent und liegt damit 0,4 Prozentpunkte höher als noch im Februar. Im ganzen vergangenen Jahr ging die Inflation jedoch um 5,4 Prozent zurück.
Hauptverursacher der rasanten Steigerung des Verbraucherpreisindexes waren die Nahrungsmittelpreise, die 7,5 Prozent über den Werten vom März letzten Jahres lagen. Der Preis von Schweinefleisch stieg sogar um 11,3 Prozent.
Der Erzeugerpreisindex, ein aussagekräftiger Indikator der Inflation im Großhandel, fiel im März um 0,3 Prozent und erreichte damit seinen tiefsten Stand seit über zwei Jahren. Im Jahresvergleich stieg der Index jedoch um sechs Prozent.
„Die Inflation wird mit Sicherheit in diesem Jahr deutlich nachlassen. Die kraftvollen Maßnahmen der Regierung zur Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion und zur Bekämpfung der Preisspekulation in diesem Sektor beginnen zu greifen", beruhigt Zuo Xiaolei, Chefberaterin des Präsidenten von China Galaxy Securities Co. Ltd., einem Wertpapierunternehmen mit Sitz in Beijing. „Es wird erwartet, dass der Verbraucherpreisindex sich dieses Jahr bei 3,5 Prozent einpendelt, also sogar weit unter dem Ziel, das die Regierung vorgegeben hat."
Cao Fenqi ist anderer Meinung. Der Direktor des Forschungszentrums für Finanzen und Wertpapiere an der Peking Universität hält es für wahrscheinlich, dass China aufgrund des Wertverfalls von Land und Arbeit auch langfristig den Druck der Inflation spüren wird. „Außerdem gibt es auch noch einen weiteren Faktor, der den Verbraucherpreisindex kurzfristig steigen lässt, nämlich die steigenden Rohölpreise", fügt er hinzu.
Um den Entwicklungen des internationalen Marktes gerecht zu werden, hat die Staatliche Kommission für Entwicklung und Reform im März die Preise für Benzin und Diesel im Einzelhandel um 600 Yuan pro Tonne angehoben – bereits die zweite Steigerung in diesem Jahr.
Auch wenn Kraftstoff nur einen geringen Einfluss auf den Verbraucherpreisindex ausübt, die Auswirkungen der erhöhten Transportkosten wird auch der Endverbraucher zu spüren bekommen.
Zhao Xijun, stellvertretender Leiter des Instituts für Finanzen und Wertpapieranlagen an der Renmin-Universität, glaubt, dass die Auswirkungen bald zu spüren sein werden, dann nämlich, wenn die unter Druck stehenden Firmen beginnen, die erhöhten Transportkosten an die Verbraucher weiterzugeben.
Zhao warnt auch vor möglichen Risiken einer Inflation, die ihre Wurzeln im Ausland hat. Große Unsicherheit herrsche darüber, wie der Ölpreis auf eine Zuspitzung der politischen Lage in Nahost reagieren werde.
Zhao Qingming, Professor für Finanzen an der University for International Business and Economics, bereitet der fallende Erzeugerpreisindex ebenfalls Sorgen. „Der Fall des Erzeugerpreisindexes zeigt die Brüchigkeit der Realwirtschaft, weil viele der lokalen Unternehmen, insbesondere die kleineren, ihre Produktionsanlagen nicht auslasten."
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