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Chinesische Ausrichtung
Die Debatte über das "China-Modell" erscheint zu einer interessanten Zeit. Einerseits muss China – nach mehr als dreißig Jahren der Entwicklung seit dem Beginn der Reform- und Öffnungspolitik – seine sozialen und wirtschaftlichen Errungenschaften unter die Lupe nehmen und zusammenfassen, aber auch Lösungen für bestehende Probleme finden, um seine zukünftige Entwicklung zu gewährleisten. Auf der anderen Seite scheinen entwickelte Volkswirtschaften, verglichen mit dem kollektiven Aufstieg der Schwellenländer, vom Weg abgekommen zu sein. Sie können nicht länger als Beispiele dienen, denen China folgen kann.
In den letzten dreißig Jahren resultierte Chinas wirtschaftliche Vitalität aus den Vorteilen eines Spätentwicklers, nachdem mit dem Ende des Kalten Krieges der Wettbewerb der Ideologien dem Wettbewerb der Entwicklungsmodelle wich. China hat die positiven Erfahrungen anderer Entwicklungsmodelle übernommen. In der frühen Phase adaptierte es das ostasiatische Modell der exportorientierten Wirtschaft, ahmte die Offenheit und den Fokus der angelsächsischen Wirtschaft auf das Anziehen von ausländischem Kapital nach, und kopierte die soziale Harmonie des Rheinischen Kapitalismus.
Das gemischte chinesische Modell genießt die Vorteile einer erfolgreichen Synthese anderer Modelle, aber es drohen auch Risiken durch die Unvereinbarkeiten der verschiedenen Modelle. Zum Beispiel profitierte Chinas rasches Wirtschaftswachstum bisher von seiner großen Bevölkerung und seinem großen Markt, aber das Land steht noch immer vor der Herausforderung, Wachstum durch technologische Innovationen zu erreichen. Die Beziehung zwischen Staat und Märkten ist bis heute nicht klar definiert. Strukturbedingte Probleme in der Immobilienbranche und in staatlichen Unternehmen drohen zu einer Quelle für soziale Spannungen zu werden.
Das zentrale Problem für China ist es nun, sich der Unhaltbarkeit und der Ungleichgewichte seines aktuellen Entwicklungsmodells voll bewusst zu werden. Ein "China-Modell" muss sich erst noch herausbilden, denn China befindet sich immer noch im Erkundungsprozess eines neuen Entwicklungsmodells. Aufgrund der einzigartigen wirtschaftlichen und politischen Strukturen Chinas, seines kulturellen Hintergrunds und seiner schieren Größe, kann China nicht bei anderen Modellen nach Antworten suchen. Es sollte zuversichtlich sein, ein unabhängiges Entwicklungsmodell, das auf seinen nationalen Bedingungen basiert, entwickeln zu können.
Auf der Suche nach einem eigenständigen Modell wird China weiterhin seine politischen und wirtschaftlichen Strukturen zu optimieren und andere Entwicklungsmodelle zu integrieren versuchen. Daher sollte gründlich überlegt werden, wie man die Marktkontrolle lockert, wie man den Markt mit ökonomischen Instrumenten statt behördlichen Anordnungen regelt, wie man ein Gleichgewicht zwischen Gerechtigkeit und Effizienz verwirklicht und wie man das nicht nachhaltige Wachstumsmodell verändert. Nur wenn die Antworten eine chinesische Ausrichtung haben und theoretisch und praktisch erprobt werden, kann das "China-Modell" eine glänzende Zukunft haben.
Die anhaltende Krise der Entwicklungsmodelle hat zwei Auswirkungen: Erstens sind diese Modelle mit der Globalisierung der Ressourcenverteilung, der technologischen Entwicklung und der Arbeitsteilung kein lokales Problem mehr. Und eine Abschottung nach außen kann zahlreiche Probleme wie Fehler in politischen und wirtschaftlichen Strukturen sowie Ungleichgewichte in der Ressourcenverteilung verursachen. Zweitens bedeutet die hohe Interdependenz der heutigen weltwirtschaftlichen Struktur, dass politische und wirtschaftliche Strukturen, Arbeitsteilung und Zuteilungsregime jedweden Entwicklungsmodells stärker globalisiert sind, was zu einem globalen Ungleichgewicht von Produktion, Konsum, Investitionen und Kapitalflüssen, und schließlich zu einer globalen Krise führt.
Der Autor ist Forschungsrat am China Institut für internationale Beziehungen (CIIS) in Beijing, der Denkfabrik des chinesischen Außenministeriums
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