03-04-2012
Im Focus
Wohin mit jungen Beamten auf der Karriereleiter?
 

 

Im Dezember 2011 wurde Jiao Sanniu, 23-jähriger Absolvent von Chinas Elite-Universität Tsinghua, zum Vizedirektor des Amts für auswärtige Angelegenheiten der Stadt Wuwei in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ernannt. Trotz seiner Jugend ist Jiao nicht der einzige Nachwuchskader, der sehr früh im Leben zu Amt und Würden kommt. Ein junger Mann namens Zhou Senfeng wurde 2009 im Alter von 29 Jahren zum Bürgermeister von Yicheng in der zentralchinesischen Provinz Hubei, und die 25-jährige Mu Yang ist seit 2011 Vorsteherin einer ebenfalls in Hubei gelegenen Gemeinde.

Zunächst reagierte die Öffentlichkeit eher skeptisch auf die Berufung junger Menschen in relativ gewichtige politische Ämter. Das Senioritätsprinzip, dass Amt und  Funktion vor allem in Hinblick auf das Lebensalter des Kaders zuteilt, hat in China eine lange Tradition. Allmählich aber beginnt man sich mit der Vorstellung anzufreunden, dass künftig immer mehr junge und aufgeschlossene Männer und Frauen hohe Führungspositionen einnehmen werden.

Hong Xinghua (China Youth Daily): „Traditionell werden Beamte unter Berücksichtigung ihres Dienstalters berufen und in Hinblick darauf, wie lange sie schon eine bestimmte Position innehaben. Aber das widerspricht dem Prinzip, dass Beamte nach Leistung und Arbeitsresultaten bewertet werden sollen. Wenn junge Menschen hart arbeiten und Außergewöhnliches leisten, dann muss man sie auswählen und gezielt fördern, anstatt sie auf die klassische Ochsentour zu schicken.

Bei jungen Kadern ist die Öffentlichkeit oft misstrauisch. Grund ist mangelnde Erfahrung des Nachwuchses und der Verdacht, dass bei der Berufung weniger die Eignung des Amtsinhabers als dessen Beziehungsnetz die ausschlaggebende Rolle spielt. Einige Leute machen sich sogar die Mühe, in der Vergangenheit der Führungskräfte herumzuschnüffeln, was ein Eindringen in deren Privatsphäre ist. Deswegen halte ich es für wichtig, dass die Behörden sich bei der Ernennung von jungen Beamten der Medien bedienen, um offen die Berufserfahrung und die Leistungen ihres Nachwuchspersonals zu kommunizieren. Die Bedenken werden sich meist von selbst erledigen, wenn die Öffentlichkeit Zugang zu grundlegenden Informationen über die Beamten hat. Immer wenn Zweifel und Gerüchte laut werden, sollten die zuständigen Abteilungen zeitnah reagieren, um Vertrauen herzustellen.

Die jungen Führungskräfte müssen sich aber auch entsprechend den Erwartungen betragen, welche die Gesellschaft an die Führung der Dienstgeschäfte hat. Sie dürfen nicht vergessen, dass sie dem Volk als Staatsdiener verpflichtet sind. Sie müssen von Rechtsmissbrauch Abstand nehmen und dürfen nicht im Eigeninteresse agieren."

 

Daxiaoduoduo (http://forum.home.news.cn): „Heutzutage werden so viele junge Beamte ernannt und befördert wie noch nie. Wir sollten diese Entwicklung von verschiedenen Seiten betrachten.

Auf der einen Seite besteht die Gefahr, dass er oder sie wirklich zu jung ist und deshalb natürlich auch zu wenig Erfahrung mitbringt. Bei der Behandlung schwieriger Fälle sind sie dann schlichtweg überfordert. Auf der anderen Seite können junge Menschen einen neuen und unverblendeten Blickwinkel auf bestimmte Themen eröffnen.

Einige Leute hegen den Verdacht, dass die überraschenden Beförderungen Ergebnis einer subjektiven Auswahl sind und Korruption hinter den Berufungen steckt. Auch wenn derartige Unterstellungen unbegründet sein sollten, muss man ihnen nachgehen, um wirklich jeden Zweifel auszuräumen.

Einer raschen Karriere junger Beamter sollte man aufgeschlossen gegenüberstehen. Heutzutage sind die Aussichten junger Menschen auf Beförderung nicht schlecht, insofern sie eine solide Ausbildung und überdurchschnittlichen Fleiß vorzuweisen haben. Gibt man ihnen die Chance, so können sie sicherlich Großes leisten. Erfahrene Beamte sollten ihnen bereitwillig Hilfe, Betreuung und Beratung anbieten. Schließlich will niemand, dass das Talent junger Menschen für die Gesellschaft verloren geht, nur weil sie den Neid der Kollegen erregen."

 

Qiufengluo (www.cjn.cn): „Jahrtausendelang war die Eigenschaft, „jung und befähigt" zu sein, hochgerühmt und erstrebenswert. Heutzutage aber scheinen die Menschen voller Vorurteile auf die jungen Beamten zu blicken. Junge Kader werden von der Öffentlichkeit kritisch beäugt. Das hilft aber den jungen Funktionären nicht dabei, sich zu dem fähigen Führungspersonal zu entwickeln, das unsere Gesellschaft so dringend benötigt. Dazu bedarf es eines offenen und transparenten Umfelds.

Öffentlich geäußerte Zweifel an der Kompetenz des Kadernachwuchses beschränken sich nicht auf das jugendliche Alter der Führungskräfte. Auswahlverfahren und Ernennung der Beamten geben ebenfalls Anlass zu Kritik. Das beste Mittel, um Zweifel und Gerüchte im Volk zu zerstreuen, ist Transparenz. Wenn man also danach fragt, warum eine bestimmte junge Person einen Schlüsselposten erhält, sollte die zuständige Behörde nicht einfach antworten: „Die Entscheidung wurde im Einklang mit den Gesetzen getroffen", oder „das ist vertraulich". Mehr Erläuterungen, mehr Kommunikation und mehr Transparenz werden alle Bedenken ausräumen.

Die Frage, ob und inwieweit ein Land in der Lage ist, talentierte Führungskräfte in verschiedenen Bereichen zu fördern, wird das Wohlergehen des Landes entscheidend beeinflussen. Es ist daher wichtig mit der Tradition zu brechen, nach der Beamte gemäß ihrem Alter und dem Anspruch auf Gleichbehandlung eingesetzt werden.

Obwohl junge Beamte vielleicht weniger Erfahrung mitbringen: Ihre Kraft und Begeisterungsfähigkeit sind Riesenvorteile! Wir müssen gegenüber jungen Beamten toleranter sein und versuchen, auf sie einzugehen, anstatt ihre Fähigkeiten von Anfang an kritisch zu beäugen. Viel besser ist es, ihr Potential zu erschließen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken, sodass sie der Gesellschaft besser dienen können."

Mu Gong (People's Daily): „Die Ernennung junger Beamter hat auch Rückwirkungen auf die Talentschmieden des Landes. Obwohl er eine renommierte Universität absolviert hat, entscheidet sich Jiao aus freien Stücken dazu, in eine ländliche Region zu gehen. Seine Entscheidung verdient unsere Unterstützung! Es ist ja keineswegs so, dass sich die Absolventen der besten Universitäten des Landes darum reißen, in unterentwickelte Gebiete zu gehen. Es ist also verständlich, dass ihm die Lokalregierung in Übereinstimmung mit dem Gesetz einen hohen Dienstposten übertragen hat.

Ich halte es für unklug, Beamte allein nach Alterskriterien auszusuchen. Im Allgemeinen werden die Beamten nach ihrer moralischen Haltung und ihrer Arbeitsfähigkeit ausgewählt. Wenn es dann aber um das Alter der Kandidaten geht, werden diese beiden wichtigen Faktoren häufig vergessen.

Wenn man es sich zu einfach macht und nur junge Beamte auswählt, werden die Beamten benachteiligt, die vielleicht nicht mehr jung sind, aber dennoch voller Energie stecken. Auch kann sich die Belastung für die unerfahrenen jungen Beamten als zu stark herausstellen. Das sollte bei Auswahl und Beförderung um jeden Preis vermieden werden."