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Überleben ist alles: Ein Buchladen in Guiyang macht sich für Kinder attraktiv.
Wandel
Angesichts wachsender Konkurrenz durch den Online-Buchhandel lassen sich die traditionellen Buchhändler einiges einfallen, um ihr Geschäft zu beleben. Einige Buchhandlungen haben ihre Dienstleistungen ausgebaut und bieten nun nicht nur heißen Kaffee, sondern auch Veranstaltungen an, um die Kundschaft an sich zu binden.
Viele Leute, die Taiwan besucht haben, waren auch in einem der Eslite Buchläden und haben dort Bücher gekauft. Der bekannte Hongkonger Wissenschaftler Ma Jiahui stellt jedoch fest, dass der Bücherverkauf kein profitables Geschäft für Eslite ist, zum Überleben der Buchhandelskette werden vor allem andere Dinge in den Läden verkauft. Ma ist selbst ein Bücherwurm und regelmäßiger Kunde bei Eslite.
Yu Zhenghui, bei der Buchhandelskette Apodon in Xiamen für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, ist davon überzeugt, dass traditionelle Buchläden nur dann erfolgreicher sein können, wenn es ihnen gelingt, ihre Kunden mit etwas zu versorgen, was der Online-Buchhandel nicht offerieren kann. Apodon bietet nicht nur Bücher, sondern Freiräume: Bequeme Sofas, Kaffee und kostenlosen Internetzugang.
„Apodon möchte den Leuten das Gefühl vermitteln, Teil einer Gemeinschaft zu sein", sagt Yu. „Online- Buchläden und Apodon stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Unsere Dienstleistungen unterscheiden sich voneinander, obwohl unsere Zielgruppe dieselbe ist."
Auch O2 Sun hat versucht, auf diesen Zug Richtung „Kommunikationsraum" aufzuspringen, aber ohne befriedigendes Ergebnis: Die Gäste genossen zwar die heimelige Atmosphäre, verzichteten aber auf den Buchkauf! Mehr als nur ein bloßer Schönheitsfehler des Konzepts.
One Way Street Library in Beijing hat sich eine andere Überlebensstrategie zurechtgelegt: Jede Woche werden zwei literarische Salons veranstaltet, zu denen Autoren, Musiker, Maler und Regisseure eingeladen werden, die ihre Werke vorstellen. Dadurch zieht der Laden zwar eine größere Zahl potenzieller Kunden an, aber gegenwärtig reicht der Verkaufserlös kaum zur Deckung der Kosten.
Einige Buchhandlungen sind dazu übergegangen, eine Bestellfunktion via Internet anzubieten. Xooyo offeriert einen Rabatt von 30 Prozent auf online-bestellte Bücher. Allerdings sind die Preise kaum konkurrenzfähig: So wird zum Beispiel die neue vierbändige Ausgabe von Reden und Schriften des ehemaligen Ministerpräsidenten Zhu Rongji im Xooyo-Buchladen für 196 Yuan (23 EUR) und im Xooyo-Online Angebot für 156,80 Yuan (18,50 EUR) verkauft, während sie beim reinen Online-Buchladen Dangdang für 147 Yuan (17,30 EUR) zu haben ist.
Dank dicker Finanzpolster können Online-Buchhändler erhebliche Rabatte bei den Verlegern aushandeln und sich dadurch eine günstige Position im Preiskampf sichern.
„Herkömmliche Buchläden wie O2 Sun müssen ihr Angebot diversifizieren, aber sie haben keinen Zugang zu Bankkrediten oder anderen Finanzierungsmöglichkeiten und der Geschäftsbetrieb wirft keinen ausreichenden Gewinn ab, mit dem sich eine Expansion finanzieren ließe. Das ist der Hintergrund für die gegenwärtigen Schwierigkeiten", meint Verleger Lu.
Ringen um Rahmenbedingungen
Angesichts einer wachsenden Zahl von Buchläden, die aufgeben müssen, appellieren viele Bücherfreunde und Buchhändler an den Staat, etwas zur Rettung der alten Buchhandelskultur zu unternehmen.
Im Ausland gibt es vielfach ein Entgegenkommen des Fiskus, wenn es um den traditionellen Buchhandel geht: In Frankreich sind stationäre Buchhandlungen unter gewissen Umständen von der Gewerbesteuer befreit, die kanadische Regierung übernimmt die Hälfte der Kosten für die Computerausrüstung kleiner Buchläden im Einzelhandel, in Japan und Südkorea versucht die Regierung, einen fairen Wettbewerb zwischen stationären und Online-Buchläden zu garantieren, schreibt Wu Zuolai in einem Artikel in Beijing News.
Kürzlich ließ Yan Xiaohong, stellvertretender Leiter des Presse- und Publikationsamtes, in einem Interview durchblicken, dass die Regierung beabsichtige, einigen Xinhua-Buchläden von der Kreisebene abwärts eine Befreiung von der Mehrwertsteuer zu gewähren.
Nach einem Bericht von China Daily gibt es gegenwärtig in China 140 000 bis 150 000 Buchhandlungen. Bei 14 000 von ihnen handelt es sich um Xinhua-Buchläden in Staatsbesitz, während die anderen überwiegend privat geführte Buchhandlungen sind.
Die Befreiung von der Mehrwertsteuer ist eine gute Nachricht für die staatlichen Xinhua-Buchläden. Die Eigner der nichtstaatlichen Buchhandlungen sind nun darauf aus, die gleiche Steuerbegünstigung zu erhalten.
„Unsere Regierung investiert viel Geld in den Bau und den Unterhalt von öffentlichen Bibliotheken. In gewissem Sinne sind auch unsere Buchläden eine Art Bibliothek. Sie können sogar dazu beitragen, den Arbeitsmarkt zu entlasten und Steuern zu generieren. Die Regierung sollte uns dabei helfen, unsere gegenwärtigen Belastungen zu mindern", schreibt Chen Dingfang, Gründer von Xooyo Book, in seinem Mikroblog. |