| "Mit der wachsenden Beliebtheit von Online-Buchläden verschwinden die traditionellen Buchhandlungen und mit ihnen droht ein ganz eigener Lebensstil auszusterben", schreiben Xue Yuan und Xi Haigu in Hello! The Independent Bookstores

Zahlungsschwierigkeiten: Eine Filiale der Buchhandelskette O2 Sun hat in Beijing dichtgemacht.
Jede Stadt beherbergt Buchläden, berühmte und berüchtigte. Eine gute Buchhandlung wird normalerweise als Kultureinrichtung betrachtet. In Beijing gibt es All Sages Books, in Nanjing die Librairie Avant-Garde, in Guangzhou Xooyo und in Taipei Eslite Bookstore. Während diese renommierten Großbuchhandlungen nicht bedroht sind, verschwinden immer mehr die kleineren Buchläden von der Landkarte beziehungsweise vom Stadtplan. Kürzlich hat die vorübergehende Schließung der großen privaten O2 Sun Buchhandelskette, die einmal über 30 Filialen verfügte, für Aufsehen unter Beijings Bücherfreunden gesorgt.
In den Beijing News konnte man nachlesen, dass O2 am 29. Oktober ihr Filialgeschäft in Wudaokou im Stadtbezirk Haidian und den Laden in Soho im Statdviertel Chaoyang dichtgemacht hat. Die Ursache für diese extremen Maßnahmen: Zahlungsschwierigkeiten beim Begleichen der Rechnungen für gelieferte Ware.
Sun Chi, Gründer der O2 Sun Buchhandelskette, räumt ein, dass es in letzter Zeit Zahlungsschwierigkeiten gegeben hatte.
"Wir werden jedoch unseres Möglichstes tun, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Nur wenn wir die Gehälter unserer Belegschaft nicht mehr zahlen können, werden wir die Schließung einiger Läden in Erwägung ziehen", sagt Sun. Die O2 Sun Buchhandelskette ist einer von mehreren Dutzend stationären Buchläden, die in ernsthaften Schwierigkeiten stecken.
In den letzten Jahren gab es zahlreiche Schließungen. Im Januar 2010 machte Disanji dicht; im Juli 2010 war Forest Song dran und im September 2011 erwischte es die Verlagsbuchhandlung SDX Joint Publishing Co. in Guangzhou.
Ungünstiger Geschäftsverlauf
"Viele Leser blättern bei uns im Laden die Bücher nur noch durch, gekauft wird dann im Internet zu einem günstigeren Preis. Wie können wir da überleben?", schreibt Chen Dingfang, Gründer von Xooyo Book in Guangzhou, in seinem Mikroblog.
Versehen mit einem enormen Sortiment, frei von Mietkostendruck, können Online-Shops ihren Kunden Bücher zu niedrigeren Preisen bieten. Dangdang, der größte Internetanbieter für Bücher in China, hat seine Preise im April um 35 Prozent und im Mai um 50 Prozent herabgesetzt, um neue Kunden zu werben. Online-Buchhändler kontrollieren bereits einen so großen Teil des Marktes, dass sich traditionelle Buchhandlungen zunehmend in einer Nische wiederfinden, in der sie sich gegenseitig Konkurrenz machen.
Die Nachfrage nach Büchern bleibt groß. Der Bücherkauf lässt sich heute allerdings einfach und bequem vom Schreibtisch aus online erledigen, wodurch die herkömmlichen Buchhandlungen zu kostenlosen Ausstellungsflächen für Online-Buchhändler geworden sind.
"Ich habe Bücher immer beim Buchhändler gekauft. Mit meinen Freunden bin ich oft in die Soho-Filiale von O2 gegangen und habe dort ganze Halbtage zugebracht. Aber jetzt suche ich mir die Bücher online aus, bestelle sie gleich und bekomme sie zu einem günstigeren Preis sogar frei Haus geliefert", sagt Yang Jing, ein Büroangestellter im Beijinger Stadtbezirk Chaoyang.
"Miete und Gehälter machen nun die Hälfte der Betriebskosten für traditionelle Buchhandlungen aus. Online-Geschäfte müssen diese Bürde nicht tragen," meint Lu Jinbo, ein bekannter chinesischer Verleger und Generalmanager von Wan Rong Book.
Forest Song Bookstore, eine der drei größten privaten Buchhandlungen Beijings, musste nach siebzehnjährigem Bestehen im Juli 2011 zeitweilig die Tore schließen. Jetzt aber geht es weiter. Geschäftsinhaber Wang Hongbin sagt, dass sich die Ladenmiete auf über 50 000 Yuan (rund 5890 EUR) beläuft, was jenseits der Schmerzgrenze ist. Eine Kombination aus steigenden Mieten und sich verschärfender Konkurrenz durch Online-Anbieter hat seinen Buchladen an den Rand des Ruins gebracht.
Auch Sun Chi vom O2 Sun Bookstore ist nicht optimistisch: "Die Umsätze sind in den letzten vier Jahren von schlecht auf katastrophal abgerutscht. Dieses Jahr allein um 40 Prozent! Es wird langsam schwierig, unsere Angestellten zu bezahlen."
Auf der anderen Seite erobern die Online-Buchanbieter einen immer größeren Marktanteil. Neben Dangdang und Joyo Amazon haben viele weitere Online-Buchhändler die Szene betreten. Ende 2010 kam 360buy dazu. Liu Qiangdong, Geschäftsführer von 360buy, geht für 2011 von einem Umsatz von 500 Millionen Yuan für Bücher, Audio- und Videoprodukte aus.
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