|

Dick im Ölgeschäft: Pipeline der PetroChina Co. Ltd. in Dalian, Provinz Liaoning. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2011 konnte das staatliche Unternehmen einen Reingewinn von 103,44 Milliarden Yuan ( 12,07 Milliarden EUR) verbuchen. Es ist das drittgrößte börsengehandelte Unternehmen Chinas.
Stockender Geldfluss
Die aktuellen Quartalsberichte der Unternehmen, ausgenommen börsennotierte Geldinstitute, zeigen, dass sich der Cashflow der A-Aktienunternehmen auf insgesamt 133,6 Milliarden Yuan (15,3 Milliarden Euro) belief; das entspricht einem Rückgang von 63,27 Prozent im Vergleich zu den 363,7 Milliarden Yuan (rund 41,6 Milliarden Euro) im Vorjahreszeitraum. 1261 der Unternehmen, rund 60 Prozent also, meldeten gar einen negativen Geldfluss; im vergangenen Jahr waren es noch weniger als 1000 gewesen.
Das zeige, dass sich der Cashflow der börsennotierten Unternehmen weiter verschlechtere, so Zhang weiter. Vor dem Hintergrund, dass die Regierung ihre Kontrolle der Bankdarlehen verschärft habe, erschwere es der stockende Geldfluss den Firmen nun zunehmend, ihre Wachstumsziele aufrecht zu erhalten.
Am meisten haben kleine und mittelständische Unternehmen unter dem verringerten Geldfluss zu leiden. Der Cashflow der 892 Unternehmen auf der Liste für kleine und mittelständische Unternehmen sowie der Liste für Wachstumsunternehmen, die Quartalsberichte vorgelegt haben, belief sich im dritten Geschäftsquartal auf insgesamt 30,3 Milliarden Yuan (3,5 Milliarden Euro). Im Vorjahreszeitraum waren es noch 158 Milliarden Yuan (18,1 Milliarden Euro) gewesen; ein Rückgang um 81 Prozent also.
Die Quartalsberichte der börsennotierten Unternehmen der Immobilienbranche belegen, dass vor allem in diesem Bereich der Kapitaldruck wächst. Zum Ende des dritten Geschäftsquartals belief sich der Bargeldbestand der 131 börsennotierten A-Aktienunternehmen aus der Immobilienbranche auf 191,8 Milliarden Yuan (21,9 Milliarden Euro). Zum Vergleich: Die offenen Verbindlichkeiten der Firmen innerhalb des laufenden Jahres beliefen sich auf 441,5 Milliarden Yuan (50,5 Milliarden Euro), einschließlich kurzfristiger Darlehen in Höhe von insgesamt 92,6 Milliarden Yuan (10,6 Milliarden Euro).
Experten befürchten nun, dass der versiegende Geldfluss zahlreiche der börsennotierten Unternehmen in eine Art „Schuldenstarre" versetzen könnte. Die Unternehmensberichte belegen, dass die Summe der offenen Verbindlichkeiten im dritten Quartal auf insgesamt 1,84 Billionen Yuan, umgerechnet rund 210,3 Milliarden Euro, angestiegen ist. Das entspricht einem Anstieg um 21,05 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Schuldenberg wächst damit deutlich schneller als die Nettogewinne der Unternehmen. Mehr als 200 Firmen, die meisten aus den Sparten Kohle, Zement und Immobilien, verkündeten einen Schuldenanstieg um 100 Prozent. Ein Fünftel der börsennotierten Firmen meldete außerdem einen verlangsamten Debitorenumschlag, sprich eine Verlangsamung beim Einziehen von Forderungen sowie verzögerte Zahlungen auf Seite der Kunden. Falls die säumigen Unternehmen zusätzlich in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sollten, besteht für die Firmen die Gefahr einer „Schuldenstarre", wie sie Chinas Unternehmen in den 1990er Jahren schon einmal erlebt haben.
Hoffnung auf Lockerung der Geldpolitik
Als Echo auf das verlangsamte Wachstum der börsennotierten Unternehmen im dritten Quartal sank im Oktober außerdem der ISM-Einkaufsmanagerindex. Laut Zahlen des Verbandes für Logistik und Einkauf lag der Index im Oktober bei 50,4 Prozent, was einer Abnahme um 0,8 Prozentpunkte im Vergleich zum Vormonat entspricht. Damit ist der Index nach einem zweimonatigen Wachstum wieder rückläufig.
Für die Berechnung des Indexes wurden vor allem die Daten großer und mittelständischer Unternehmen zugrunde gelegt. Der Oktoberstand des ISM-Index belegt damit, dass nicht nur Klein- und Kleinstunternehmen derzeit ums Überleben kämpften, sondern auch große und mittelständische Firmen vor ernsthaften Schwierigkeiten stünden, erklärt Yuan Xuya, Leiter des Forschungsinstituts von Central China Securities.
Erst vor einigen Monaten hätten zahlreiche private Unternehmen in der südostchinesischen Provinz Zhejiang sowie der südchinesischen Provinz Guangdong wegen des stockenden Geldflusses Konkurs anmelden müssen, viele Geschäftsführer seien verschwunden, so Zhang Haigang. Die Quartalsberichte hätten nun die Problematik des immer schlechter werdenden Cashflows erneut bestätigt. Die Regierung ergreife nun deshalb Maßnahmen und setze auf eine „moderate Lockerung" ihrer Geldpolitik.
Um die Inflation zu bekämpfen, betreibt China seit der zweiten Jahreshälfte 2010 eine strenge Währungspolitik. Als Folge der verschärften Maßnahmen ist die Liquidität deutlich zurückgegangen.
Seither sei der Verbraucherpreisindex (VPI) deutlich gefallen, so Zhang. „Außerdem ist damit zu rechnen, dass die Lebensmittelpreise, die die Entwicklung des VPI maßgeblich beeinflussen, aufgrund der guten Getreideernte sowie sinkender Preise für Schweinefleisch weiter zurückgehen", sagt der Finanzexperte. Kurzfristig sei deshalb nicht damit zu rechnen, dass der VPI weiter ansteige. „Dies alles ist ein guter Grund dafür, die Währungspolitik erneut zu lockern."
„Nicht nur die börsennotierten Unternehmen sondern auch andere Teile der Realwirtschaft hoffen darauf, dass die Regierung ihre Geldpolitik entspannt, sodass die Probleme beim Geldfluss gelöst werden können", so Zhang weiter.
Auch wenn eine Lockerung nicht einfach von heute auf erfolgen könne, erklärt Yuan, habe die Zentralbank nun doch mehr Spielraum beim Einsatz ihrer geldpolitischen Instrumente, etwa bei der Senkung des Mindestreservesatzes zu einem geeigneten Zeitpunkt.
Angesichts der Tatsache, dass die meisten Banken derzeit mit niedrigen Eigenkapitalquoten sowie niedrigen Kernkapitalquoten konfrontiert seien, so Yuan weiter, bestehe die Gefahr, dass die Geldinstitute kein Geld mehr zu verleihen hätten, wenn der Mindestreservesatz nicht gesenkt wird.
Nach Yuans Einschätzung ist damit zu rechnen, dass die Zentralbank nun Maßnahmen im Offenmarktgeschäft ergreife. „Dieses Vorgehen stellt eine weitere Möglichkeit dar, geldpolitisch einzugreifen. Zum Beispiel könnte die Zentralbank die Geschwindigkeit, mit der Gelder aus dem Markt abgezogen werden, in angemessener Weise reduzieren, oder sogar mehr Geld in den Markt pumpen", so der Experte.
|