18-11-2011
Im Focus
Schlechtes Quartal für Chinas Aktienunternehmen
von Lan Xinzhen

Als Chinas A-Aktienunternehmen Ende Oktober ihre Zahlen für das dritte Geschäftsquartal 2011 vorlegten, ging ein Raunen durch Chinas Finanzwelt: Fast ohne Ausnahme meldeten die Firmen sinkende Gewinne. Die Unternehmen bekommen vor allem die zunehmende Aufwertung des Yuan gegenüber dem Dollar sowie die Folgen der strafferen Geldpolitik der Zentralbank zu spüren.

 

Satte Umsätze: Drahtherstellung in der Baotou Iron and Steel (Group) Co. Ltd. In der Inneren Mongolei. In den ersten acht Monaten 2011 hat das Unternehmen eine Umsatzsteigerung von 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu verzeichnen gehabt. 

 

Als Chinas A-Aktienunternehmen, die ihre Wertpapiere in der Landeswährung Renminbi handeln, am 31. Oktober ihre Zahlen für das dritte Geschäftsquartal 2011 vorlegten, hielt Chinas Finanzwelt den Atem an: die Berichte und Unternehmensmeldungen zeigten fast ausnahmslos eine negative Tendenz. Experten fürchten nun, dass das schlechte Abschneiden der Firmen auch die Realwirtschaft in einen Abwärtssog ziehen könnte. Sollte der Abwärtstrend anhalten, hätte das negative Auswirkungen für die gesamte Wirtschaft des Landes wie auch für die Weltwirtschaft.

Die Zahlen der Quartalsberichte belegen zwar, dass sich der Gesamterlös aus dem Umsatz der 2256 Unternehmen des A-Aktienmarktes über den gesamten Zeitraum der ersten drei Quartale 2011 auf rund 15,99 Billionen Yuan belief, umgerechnet 1,83 Billionen Euro. Das entspricht einem Plus von 24,94 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Und die Nettogewinne der Firmen 1,49 Billionen Yuan (160 Milliarden Euro) erreichten, ein Zuwachs von 18,76 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig aber nahmen die Gewinne im dritten Quartal im Vergleich zu den Zahlen der Halbjahresberichte um 3,59 Prozentpunkte ab. Im dritten Geschäftsquartal hatten die Unternehmen starke Einbußen zu verzeichnen, die die Bilanzen nun trüben: Die Gewinne der börsennotierten Unternehmen sanken hier im Vergleich zum zweiten Quartal 2011 um 6,12 Prozent und fielen damit von 510,97 Milliarden Yuan (58,4 Milliarden Euro) auf 479,62 Milliarden Yuan (54,8 Milliarden Euro).

Die Gewinnzuwächse der A-Aktienunternehmen seien damit sowohl für das dritte Quartal als auch für die ersten drei Quartale insgesamt letztlich hinter den Erwartungen der Märkte zurückgeblieben, erklärt Chen Hualiang, Analyst bei CITIC Securities.

Vor allem öffentliche Versorgungsunternehmen und Unternehmen aus den Branchen Verkehr und Eisenmetalle meldeten große Gewinneinbußen, besonders für einige ihrer Zweige wie Schifffahrt, Eisen und Stahl sowie Energiewirtschaft. Da sich vor allem Sektoren wie Eisen und Stahl sowie die Energiewirtschaft am oberen Ende der Wertschöpfungskette einreihen, könnten Einbrüche in diesen Branchen ein Indikator für das Abkühlen der gesamtchinesischen Wirtschaft sein, so fürchten Experten. Zhang Xinhong, Analyst bei China Securities, sieht hingegen bisher keinen Grund zu übermäßigem Pessimismus. „Der Abwärtstrend korrespondiert schließlich in direkter Weise mit Vorgängen auf der makroökonomischen Ebene, die wir derzeit beobachten können", so Zhang.

 

Unternehmen spüren Auswirkungen der Yuan-Aufwertung

„Hauptgrund für die Verluste der börsennotierten Unternehmen im dritten Geschäftsquartal sind Wechselkurseinbußen", erklärt Zhang Haigang, Kundenbetreuer bei CITIC Securities.

Seitdem die chinesische Zentralbank am 19. Juni 2010 die Reform der Wechselkurspolitik des Renminbi auf den Weg gebracht hat, hat der Yuan im Vergleich zum Dollar bis zum Ende des dritten Quartals dieses Jahres um 7,3 Prozent an Wert zugelegt. Vor allem im letzten Quartal war der Wertzuwachs mit 1,76 Prozent besonders hoch. Allein im dritten Quartal 2011 haben 1200 der börsennotierten Unternehmen aufgrund der Wechselkursschwankungen Verluste von 25 Milliarden Yuan gemeldet, rund 2,86 Milliarden Euro.

Am stärksten trafen die Veränderungen den Ölkonzern PetroChina, allein er musste Einbußen in Höhe von 679 Millionen Yuan (77,6 Millionen Euro) hinnehmen. Beim Telekommunikationsausrüster ZTE beliefen sich die Mindereinnahmen innerhalb der ersten drei Geschäftsquartale 2011 auf insgesamt 266 Millionen Yuan, rund 30,4 Millionen Euro; im vergangenen Jahr waren es noch 26 Millionen Yuan (2,9 Millionen Euro) gewesen. Damit sind die Nettogewinne des Unternehmens im dritten Quartal 2011 um insgesamt 21 Prozent eingebrochen.

Die Aufwertung des Renminbi hat auch die Kapitalkosten von ZTE deutlich erhöht. Für das dritte Quartal bezifferte die Firma sie auf 1,02 Milliarden Yuan (116,6 Millionen Euro), das entspricht einem Anstieg von rund 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Zu dem finanziellen Aufwand eines Unternehmens zählen vor allem die Netto-Zinsbelastung, Gewinne und Verluste aus den Wechselkursschwankungen sowie Gebühren, die an Finanzinstitute entrichtet wurden. Für das dritte Quartal 2011 haben Chinas 2256 börsennotierte A-Aktienunternehmen Finanzierungskosten von insgesamt 139,9 Milliarden Yuan, rund 16 Milliarden Euro, verbucht, ein Plus von 27,8 Prozent im Vergleich zu 2010.

„Für eine ganz Reihe der börsennotierten Unternehmen sind diese hohen Kapitalkosten zu einer großen Herausforderung geworden. Wenn die Firmen Ende 2011 ihre Jahresberichte veröffentlichen, wird sich der Einfluss der Yuan-Aufwertung noch flächendeckender und ernsthafter niederschlagen", schätzt Zhang Haigang.

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