24-05-2011
Im Focus
Was tun mit den Währungsreserven?
von Lan Xinzhen

 

Zu umfangreiche Währungsbestände

Über mögliche Verluste mag man streiten, aber unter den meisten Ökonomen und staatlichen Devisenverwaltern herrscht Einigkeit darüber, dass Chinas Währungsreserven zu umfangreich sind.

Zentralbankchef Zhou Xiaochuan sagte auf einem Finanzforum am 18. April 2011, dass die Bestände an Fremdwährungen deutlich über einem vernünftigen Niveau lägen. Dies führte zu einer wachsenden Liquidität auf den Märkten und stellte die Zentralbank vor Probleme. 

Devisenbestände in so großem Umfang zu halten, lag nie in der Absicht der Zentralregierung. Die aktuelle Lage ist das Ergebnis einer Reihe sich ergänzender Faktoren. Im Jahre 1978 beliefen sich Chinas Devisenreserven auf 1,67 Milliarden US-Dollar. Zwischen 1979 und 1989 überstiegen die Bestände nie 20 Milliarden US-Dollar. Nach weiteren Reformschritten betrieb die Regierung ab 1992 eine Politik der Exportförderung und der Anwerbung ausländischer Direktinvestitionen. Seither wuchsen die Devisenbestände kontinuierlich: im Oktober 2006 durchbrachen sie die Billionengrenze und liegen seit März dieses Jahres bei über drei Billionen. Größere Devisenbestände, so Zhou Xiaochuan, dienten dazu, den Abfluss von Kapital zu verhindern und garantierten stabile Wechselkurse. 

Die Währungsbestände können auch als Puffer gegen Wechselkursschwankungen genutzt werden. Ferner dienen sie dazu, den internationalen Zahlungsverkehr abzuwickeln, die Importe sicherzustellen und Schulden abzuzahlen. Eine ausreichende Versorgung mit Devisen stellt sicher, dass ein Land wirkungsvoll Währungsrisiken begegnen kann. Zu große Bestände können hingegen einen negativen Einfluss auf verschiedene Bereiche der Makroökonomie ausüben.

Nach Zhou muss die Zentralbank unter dem gegenwärtigen Mechanismus zur Währungsverrechnung mehr Geld emittieren und so die Geldmenge aufblähen, was den Raum für geldpolitische Maßnahmen einschränkt. Eine exzessive Liquidität befeuert auch die Inflation und führt zu einem verstärkten Zufluss ausländischen Kapitals, was letztlich zu einem weiteren Anwachsen der Devisenbestände führt.

Die gegenwärtige Diskussion des Themas in der Öffentlichkeit konzentriert sich auf folgende Aspekte:

Die Devisenreserven seien eindeutig zu groß. Der Versuch, den Yuan-Wechselkurs auf dem aktuellen Stand zu stabilisieren, wird zu einem weiteren Anwachsen der Devisenbestände führen und – was noch wichtiger ist – den Druck in Richtung erneuter Aufwertung des Yuan gegenüber dem Dollar erhöhen.

Eine Diversifizierung der Währungsreserven sei erforderlich, da gegenwärtig der größte Teil in US-Dollars gehalten wird. Obwohl keine genauen Angaben darüber veröffentlicht werden, geht aus Berichten der Bank für internationalen Zahlungsausgleich hervor, dass Chinas Devisenreserven zu rund 70 Prozent in US-Dollar, zu 10 Prozent in japanischen Yen und zu 20 Prozent in Euro und britischen Pfund angelegt sind.

Eine erhebliche Reduzierung der umfangreichen Bestände an amerikanischen Staatsanleihen in chinesischem Besitz könnte zu Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten führen.

 

Sorge um den Werterhalt

Volkswirte erörtern die Optionen, die China gegenüber seinen Währungsbeständen hat. Sollen die Devisen auch weiterhin von der Zentralbank verwaltet oder lieber in Übersee investiert werden, damit sie sich vermehren können oder zumindest erhalten bleiben? 

Guo Tianyong, Direktor des China Banking Industry Research Center an der Zentralen Finanz- und Wirtschaftsuniversität, rät zu einer schrittweisen Reduzierung der Dollarbestände beziehungsweise zum Erwerb von Staatsanleihen anderer Staaten, deren Wirtschaftsentwicklung weniger Risiken berge, die über eine größere Liquidität, Goldreserven oder Energiequellen und Rohstoffe verfügen, an denen in China Mangel herrsche.

Gu hält es im Interesse einer Verbesserung der Sicherheit und einer Erhöhung der Rentabilität für unbedingt erforderlich, US-Dollaranleihen gegen Anleihen in anderen Währungen auszutauschen. Wenn der Umfang des Transfers jedoch zu groß dimensioniert würde, führte dies unweigerlich zu einer Abwertung des Dollars, was wiederum den Wert der chinesischen Devisenbestände mindern würde. 

Folgt man einer Analyse des Wirtschaftsforschungsunternehmens Anbound Group aus Beijing, dann liegt die Ursache für die zu großen Devisenbestände in der chinesischen Wirtschafts- und Außenhandelsstruktur. Um Wertverluste bei den Devisenbeständen zu vermeiden, sei eine Umstrukturierung der Wirtschaft erforderlich. Die Regierung sollte nach und nach Subventionen für die Exportwirtschaft reduzieren und schließlich vollkommen einstellen. Technisch rückständige und ineffiziente Betriebe müssten geschlossen werden. Derartige Einschnitte seien der Preis, den China zahlen müsse, um die allgemeine Wettbewerbsfähigkeit seiner Wirtschaft zu verbessern.

Zum Management der Devisenbestände ist eine Reform der staatlichen Vermögensverwaltung erforderlich, meint Xia Bin, Direktor des Forschungsinstituts für das Finanzwesen am Zentrum für Wirtschaftsforschung unter dem Staatsrat. Zunächst müsse die Regierung im Interesse eines reibungslosen Zahlungsverkehrs mit dem Ausland eine ausreichende Versorgung mit Devisen sicherstellen. Dann solle die Regierung Devisenbestände für Interventionen auf den internationalen Finanzmärkten nutzen. Drittens sollte die Nutzung der Devisenreserven nachhaltigem Wirtschaftswachstum und der Erlangung strategischer Vorteile dienen und erst dann sollten Währungsreserven in Finanzprodukten angelegt werden mit dem Ziel der Erwirtschaftung von Zinsgewinnen. Darüber hinaus schlägt Xia vor, die Bestimmungen über ausländische Geldanlagen chinesischer Bürger zu lockern. China sollte sich aktiv am Umbau des internationalen Währungssystems beteiligen und den Yuan zu einer Weltwährung machen. Dies wäre ein effektiver Weg zur Lösung der Probleme im Zusammenhang mit den Devisenbeständen. Zugleich würde er Chinas Wohlstand von seiner Bindung an Geldanlagen in US-Dollar abkoppeln und die Sicherheit der chinesischen Staatsfinanzen garantieren.

   <   1   2