01-02-2010 Beijing Rundschau Internationale Bildung für chinesische Schüler Chen Xueyang ist zwar schon Schülerin der Oberstufe, aber im Gegensatz zu Gleichaltrigen in öffentlichen Schulen besteht ihr aktuelles Leben nicht aus endlosen Prüfungsphasen und Hausaufgaben bis spät in die Nacht. Die 18-Jährige studiert an der Beijing World Youth Academy (BWYA) in Wangjing und zählt unter die immer größer werdenden Zahl von Schülern der Stadt, die an internationalen Einrichtungen lernen. "Am besten gefällt mir, dass in einer Klasse nur noch um die 20 Schüler sind – in einer chinesischen Schule sind es oft 60", sagt Chen, die zuvor ein Jahr in der Beijing Ritan Mittelschule verbracht hat, einer der besten öffentlichen Schulen der Stadt. "Ich kann in einer kleinen Gruppe einfach besser lernen. Ich kann auf Lehrer zugehen, wann immer ich Fragen habe. In der Ritan-Schule hatte ich kaum Gelegenheit, überhaupt mit den Lehrern zu sprechen." Chen will in den USA studieren – dazu hat sie gerade Bewerbungen an zehn Universitäten geschickt. Mit der wachsenden Zahl an Familien, die sich die hohen Schulgebühren der internationalen Schulen leisten können und wollen, entsteht ein neuer Trend in Beijing: An einer internationalen Schule lernen und dann in Übersee studieren. Ein Jahr an der BWYA kostet rund 110 000 Yuan. Xia Juan, die Assistentin des Präsidenten der Schule, bestätigt einen signifikanten Anstieg der Schülerzahlen. Im Jahr 2003 gab es weniger als zehn Chinesen unter den 400 Schülern, 2008 waren es schon 60 und im letzten Jahr einhundert. Bedingt durch den Anstieg plant die BWYA jetzt, je zwei weitere Klassen für die Stufen 9 und 10 einzurichten. "In diesem Jahr werden wir höchstens 130 chinesische Schüler akzeptieren – das sind dann ein Drittel", sagt Xia, "wir wollen eine internationale Gemeinschaft aufrecht erhalten." Bewerber müssen Aufnahmeprüfungen in Englisch, Chinesisch und Mathematik bestehen und werden sowohl in englischer als auch chinesischer Sprache mündlich abgefragt. Auch ihre Zeugnisse werden überprüft. Auch andere internationale Schulen würden den Zugang chinesischer Schüler ausbauen. Es gibt rund 20 internationale Schulen in Beijing. Manche können chinesische Staatsbürger aufnehmen – manche nicht. Schulen wie die BWYA, die von chinesischen Unternehmen gegründet wurden, dürfen sowohl chinesische als auch ausländische Schüler ausbilden. Andere, wie die Canadian International School of Beijing (CISB), werden von ausländischen Unternehmen oder Regierungen finanziert, und dürfen nach einer Regelung des chinesischen Bildungsministeriums nur Schüler aufnehmen, die nicht chinesische Staatsbürger sind. Laurianne Gidrol, Pressesprecherin der CISB, sagt, dass die Schule mehrmals pro Tag Anrufe von chinesischen Eltern erhalte, die ihre Kinder auf diese Schule schicken wollen. "Wir müssen dann jedes Mal sagen, dass das leider nicht geht." Chen Bin, der Vater von Xueyang, wollte seine Tochter auf eine internationale Schule schicken, um sie besser auf das Studium in Amerika vorzubereiten. "Ich wollte, dass meine Tochter sich in einem fremden Land weiterbildet", sagt er, "Wenn sie in einer internationalen Schule unterrichtet wird, kann sie sich besser auf das ausländische Bildungssystem vorbereiten. Das Schulsystem in anderen Ländern ist fortschrittlicher. Obwohl das Schulgeld sehr hoch ist, sehe ich es als gute Investition in die Zukunft meiner Tochter an." Ein weiterer Vorteil seien die so genannten "Credits" in Mathematik- und Wirtschaftskursen, sie könnten auch auf andere Schulen im Ausland übertragen werden und steigerten die Chancen, auf einer ausländischen Universität angenommen zu werden, sagt Xia Juan von der BWYA. "Rund 90 Prozent unserer Abgänger finden Aufnahme an hochrangigen ausländischen Universitäten. Der Rest sind meist Expat-Sprösslinge, die in China bleiben möchten." Internationale Schulen böten auch Raum für Fächer aus dem Kreativbereich, merkt Xia an. Neben den Kernfächern Englisch und Mathematik könne man auch Design, Kunst und Sport belegen. Fast alle Lehrer an internationalen Schulen sind Ausländer und die Lehrsprache ist durchgehend Englisch. Das gibt den Schülern die Möglichkeit, ein hohes Niveau beim Lesen, Sprechen und Schreiben zu erlangen. Chen Bin stimmt zu: "Das Englisch meiner Tochter hat sich drastisch verbessert. Ihre Alltagssprache ist Englisch und sogar Aufsätze kann sie in dieser Sprache schreiben."
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