16-12-2009 Beijing Rundschau
Verkäufer im Dunkeln
von Florian Siebeck

Der illegale Handel erfreut sich großer Beliebtheit, bei Käufern und Händlern gleichermaßen, denn Flohmärkte sind rar in Beijing, oft kosten sie Geld und sind meistens nur auf Antiquitäten beschränkt. Mitunter, sagen die illegalen Verkäufer hier, kann so ein Abend auf der Straße ein Abendessen im Restaurant oder das Fernsehen zu Hause auf angenehme Art ersetzten. Für manch einen ist das Hobbyverkäufer-Dasein zu einer neuen Existenzgrundlage geworden; eine neue Art des Nachtleben ist es für andere. Viele Verkäufer hoffen, bald legal aus dem Kofferraum verkaufen zu dürfen, ohne sich um Steuer-Abgaben oder eine Gewerbe-Anmeldung kümmern zu müssen – ausrotten lassen wird sich der illegale Handel auf der Straße wohl eh nicht. In Guangzhou im Süden des Landes wurden bereits Pilotprojekte gestartet, die den illegalen Handel in bestimmten Straßen legalisieren und fördern.

Li Wei kann von der Beijinger Polizei indes nicht belangt werden. Er steht auf der anderen Straßenseite. "Die Gegend hier ist in drei Verwaltungsbezirke unterteilt – und für den, in dem wir gerade stehen, sind diese Polizisten nicht zuständig, also lassen sie uns in Ruhe." So verkauft er noch einige Stunden seine Nachdrucke, bis er schlafen geht, um am nächsten Morgen wieder aufzustehen und wie jeden Tag zur Arbeit zu gehen.

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