02-06-2009 Beijing Rundschau
China ist gegen "G2"
von Wang Hailou

Ministerpräsident Wen Jiabao hat sich beim 11. China-EU-Gipfel am 20. Mai über die so genannten „G2“ geäußert. Mit „G2“ sind China und die USA gemeint. Dabei betonte er, dass ein oder zwei Staaten oder selbst eine Gruppe größerer Staaten nicht die Probleme der ganzen Welt lösen könnten. Multipolarität und eine multilaterale Politik hingegen lägen im Trend und stünden in Einklang mit den Interessen der Menschen. „Jemand hat gesagt, dass die Welt von den USA und China gemeinsam regiert werden würde, dies ist eine gleichermaßen unfundierte wie falsche Ansicht“, sagt Wen Jiabao. Seine Bemerkung gilt als die erste bekannt gewordene Stellungnahme chinesischer Spitzenpolitiker zur „G2“.

Der Direktor des Peterson Institute for International Economics, Fred Bergsten, hat im letzten Jahr in der Zeitschrift „Foreign Affairs“ den Begriff „G2“ geprägt. Die Bezeichnung sorgte weltweit für heftige Debatten. Vor allem die EU und Japan zeigten sich besorgt und trugen ihre Bedenken auf verschiedenen internationalen Konferenzen an die Öffentlichkeit. Sie fürchteten eine Entfremdung zwischen den USA und der EU bzw. zwischen der USA und Japan. Auch einige Entwicklungsländer haben ihren Argwohn geäußert.

Diese Bezeichnung kam nicht von Ungefähr. Der Zusammenbruch der Sowjetunion am 25. Dezember 1991 markierte das Ende des Kalten Krieges. Einige Leute im Westen glaubten, dass die westliche Welt nun keiner Bedrohung mehr ausgesetzt sei, und sie sich keinen neuen Herausforderungen stellen müssten. Die Weltlage nach dem Kalten Krieg entwickelte sich jedoch ganz und gar nicht wie erwartet. Die USA führten einen „Krieg gegen den Terror“ und lösten dabei eine schwere Krise zwischen der islamischen und christlichen Welt aus. Die „Demokratisierung“, die vom Westen weltweit vorangetrieben wird, führt in vielen Regionen zu Unruhen und Turbulenzen.

Eine andere bemerkenswerte Erscheinung ist der Aufstieg einer Reihe von Entwicklungsländern, die eine Reform- und Öffnungspolitik betreiben. Dies ist die auffälligste Tendenz des noch jungen 21. Jahrhunderts. Dieser Trend kann das Gesicht der Welt vollkommen verändern. Unter den Entwicklungsländern ist China eine herausragende Erscheinung. Status und Bedeutung Chinas und der anderer Schwellenländer nimmt rasch und stetig zu.

Möglicherweise liefern genau diese beiden Faktoren den Hintergrund für das Aufkommen des Begriffs „G2“. Diese Bezeichnung ist deutlich unterschieden von den Konzepten, die sich hinter den Begriffen „Bündnis demokratischer Staaten“ oder „Ideologische Gemeinschaft“ verbergen. In den letzten Jahren haben viele Gelehrte in den USA oder Europa den Begriff „Bündnis demokratischer Staaten“ kritisiert. Nach ihrer Meinung könnte dieses Konzept die Welt spalten und einen neuen Kalten Krieg auslösen.

Die Ansichten der Menschen über die internationale Lage hat stets mit geschichtlichen Prozessen zu tun. Die gegenwärtige Welt hat sich aus einer bipolaren Welt mit den USA und der Sowjetunion als Supermächte entwickelt. Die großen Staaten beherrschen die Welt, starke Staaten entscheiden dabei über das Schicksal schwacher Staaten. Diese Gedanken sind in den Köpfen vieler Menschen fest verwurzelt. Aber die Welt erlebt derzeit große Wandlungen. Eine immer wieder vorgetragene Position der chinesischen Regierung ist es, dass die drängenden Fragen der Welt gemeinsam von allen Staaten, egal groß oder klein, stark oder schwach, reich oder arm, gemeinsam entschieden werden sollten. Dies ist auch die Botschaft der Äußerung von Wen Jiabao, wonach Multipolarität und eine multilaterale Politik im Trend lägen und in Einklang stünden mit den Interessen der Menschen.

Die chinesische Regierung ist nicht dafür, dass China und die USA die Welt regieren. Allerdings muss man daran erinnern, dass die chinesisch-amerikanischen Beziehungen die wichtigsten bilateralen Beziehungen in der Architektur der chinesischen Außenpolitik sind. Die chinesisch-amerikanischen Beziehungen auf der Bahn einer gesunden und stabilen Entwicklung voranzutreiben ist eine zentrale Position Chinas.

China und die USA sind zwei Staaten, die für die Welt von großer Bedeutung sind. Die sich stabil entwickelnde Zusammenarbeit zwischen China und den USA auf der Grundlage gemeinsamer Prinzipien dienen nicht nur diesen beiden Staaten, sondern der ganzen Welt. Die Besorgtheit der Europäer und Japaner ist also unbegründet, dies hat auch die Geschichte der letzten zwanzig Jahre bewiesen. Die Entwicklung der chinesisch-amerikanischen Beziehungen schadet Europa und Japan nicht nur nicht, sondern bringt handfeste Vorteile für sie.    

 

 
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