14-04-2009 Beijing Rundschau
CITIC Pacific Vorstand tritt nach Razzia in Hongkong zurück
 

Larry Yung, einer der bekanntesten Geschäftsmänner Hongkongs, ist am 8. April als Vorsitzender von CITIC Pacific zurückgetreten. Fünf Tage zuvor hatte im Hauptsitz der Firma eine Razzia stattgefunden, bei der nach Beweisen für den Vorwurf von Betrug und Falschaussagen aus der Führungsetage des staatlichen Mischkonzerns gesucht wurde.

"Die am 3. April 2009 erfolgte Durchsuchung der Firmenräume durch Polizeibeamte der Abteilung für Wirtschaftskriminalität hat in der Öffentlichkeit großes Aufsehen erregt”, so Yung in einem Aushang auf dem Firmengelände. "Angesichts der aktuellen Situation denke ich, dass ich mit meinem Rücktritt am besten die Interessen des Unternehmens wahren kann. Geschäftsführer Henry Fan ist ebenfalls zurückgetreten.

An die Stelle von Yung und Fan wird vermutlich Chang Zhenming rücken. Chang ist zugleich stellvertretender Aufsichtsratvorsitzender und Geschäftsführer der China International Trust and Investment Corporation (CITIC), dem Stammhaus von CITIC Pacific. CITIC ist ein staatliches Finanz- und Investmentunternehmen, das Yungs verstorbener Vater, Rong Yiren, 1979 mit Unterstützung Deng Xiaopings gegründet hatte.

Der unerwartete Fall von Yung erfolgt fünf Monate nachdem CITIC Pacific den Verlust von mehreren Milliarden US-Dollar durch Spekulationsgeschäfte mit ausländischen Währungen bekannt geben hatte.

Am 25. März hatte die Firma zum ersten Mal seit ihrem Bestehen einen Verlust bilanzieren müssen, da Spekulationen gegen den australischen Dollar und den Euro CITIC Pacific rund 1,9 Milliarden US-Dollar gekostet hatten.

Als Folge des Skandals hatte CITIC ein Rettungspaket für ihre Tochter CITIC Pacific geschnürt und die Verantwortung für den Handel mit Fremdwährungen übernommen.

Der 67-jährige Yung und der 60-jährige Fan hatten CITIC Pacific 1990 gegründet und die Firma zu einem der wichtigsten chinesischen Mischkonzerne mit Sitz in Hongkong gemacht. Die Geschäftsfelder des Unternehmens umfassen Stahl, Luftfahrt und Immobilien.

Im vergangenen Jahr hatten Yung und Fan beteuert, dass die Verträge über den Ankauf ausländischer Devisen ohne ihr Wissen und ohne ihre Beteiligung zustande gekommen seien.

Yung gab an, dass die Währungsgeschäfte eigenmächtig durch Finanzdirektor Leslie Chang abgeschlossen und durch Finanzprüfer Chau Chi-yin abgesegnet worden seien.

Chang und Chau haben daraufhin CITIC Pacific verlassen.

Yungs Tocher Frances, die damals als Leiterin der Finanzabteilung geführt würde, wurde nach dem Skandal in der Firmenhierarchie zurückgestuft.

Das Bekanntwerden des Skandals sorgte für Kritik aus Kreisen der Aktionäre und von Beobachtern der Unternehmensführung, die eine Erklärung dafür verlangten, warum CITIC Pacific, die über die potentiellen Verluste bereits am 7. September im Bilde war, den Markt erst sechs Wochen später informiert hat.

Hongkongs Banken- und Börsenaufsicht hat eine Untersuchung des Falls angekündigt.

 
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