18-02-2009 Beijing Rundschau Rückenwind dreht auf Gegenwind: Deutsche Autoindustrie in Not? von Matthias Mersch
Die Ingenieure beider Seiten aber sind aufgeschreckt durch den Gedanken, vielleicht schon bald das Reißbrett teilen zu müssen: sie wollen sich verständlicherweise nicht ihre Konstruktionsgeheimnisse entreißen lassen und fürchten den Verlust an Profil der eigenen Marke. Eine Hörerumfrage des Deutschlandradios vermittelte den Eindruck, dass sich nur die radikalsten Markenhörigen keine Kooperation zwischen den beiden Herstellern von Statussymbolen vorstellen können. Vor allem Ostdeutsche sind in der sogenannten guten alten DDR nicht gerade durch eine exzessive Angebotsvielfalt verwöhnt worden. Marktführer "Trabant”, der mit seinem zärtlich "Trabbi” genannten Kleinwagen Kultstatus genossen hat, vereinigte nahezu restlos das automobiltechnische know-how des ganzen Landes auf sich - und wurde nach der Wiedervereinigung dann doch abgewickelt. Warum also sollten die Menschen östlich der Elbe irgendwelche Sentimentalitäten in Richtung schwäbischer Werkhallen und bayerischer Motorenwerke pflegen? Im Jahre neunzehn nach der Wiedervereinigung droht nun einem anderen großen Autohersteller die Abwicklung. Opel, deutscher Traditionsbetrieb aber schon seit Jahrzehnten in Besitz von General Motors, fürchtet in den Strudel der US-Autopleite gezogen zu werden. Man spielt mit dem Gedanken, sich am eigene Schopf beziehungsweise mit Hilfe der Milliarden aus den Taschen bundesrepublikanischer Steuerzahler, aus dem Rezessionswirbel ziehen zu können. Rick Wagoner, der Chef von GM mit dem sprechenden Namen, hält nichts von Insolvenz, die käme dem Steuerzahler zu teuer und mache überhaupt einen schlechten Eindruck, der die Wirtschaft nur beunruhigen könne. Darum fordert er 30 Milliarden weiterer US-Dollar, die der Rettung des Konzerns dienen sollen. Dafür gibt es dann Werksschließungen in Schweden (Saab) und das Ende für drei Opel-Werke in Bochum, Antwerpen und Eisenach. Alternativ wird an dem Plan gearbeitet, wieder eine deutsche Staatskarosse erstehen zu lassen, Opel im Eigentum des Staates. In die deutsche Automobilindustrie ist also wieder Leben gekommen, wenn vielleicht auch noch keine Belebung. Aber auch bei Rosskurven gibt es stets Überlebende und der Aufschwung kommt bestimmt - fragt sich nur wann.
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