18-02-2009 Beijing Rundschau
Rückenwind dreht auf Gegenwind: Deutsche Autoindustrie in Not?
von Matthias Mersch

Auf der Jahrespressekonferenz von Daimler am 16. Februar in Stuttgart musste Konzernchef Dieter Zetsche Zahlen nennen, die für die erfolgsverwöhnten Autobauer aus Schwaben mehr als bedenklich sind: der Gewinn schmolz im Jahr 2008 auf 1,4 Mrd. Euro, satte 65 Prozent weniger als im Jahr 2007! Es sollte ehrlicherweise aber auch nicht der Hinweis fehlen, dass 2007 das Rekordjahr des Konzern gewesen war, in dem ein Rekordgewinn von 8,7 Mrd. erzielt wurde. Die Umsätze haben nur um 4 Prozent nachgegeben und beliefen sich 2008 immerhin noch auf 95,9 Milliarden Euro.

Die Mängelliste aber ist lang und Zetsches Vorschläge zur Belebung des Geschäfts sind drastisch: mehrere Milliarden Euro sollen eingespart werden, für rund 50 000 auf Kurzarbeit gesetzte Beschäftigte wird diese Phase eingeschränkter Aktivitäten und schrumpfender Bezüge bis Juni verlängert. Daimler sitzt auf einem Berg unverkaufter Automobile und prognostiziert für das laufende Jahr einen möglichen weltweiten Absatzschwund von 10 Prozent.

Dem großen Konkurrenten Audi ist es im Krisenjahr ganz anders ergangen: der Absatz konnte gesteigert werden und weist damit auf eine Strukturkrise bei Daimler hin, denn die Verankerung Audis im Volkswagenkonzern erweist sich als äußerst nützlich und fördert die Überlebensfähigkeit. In der VW-Porsche-Audi-Familie gibt es zehn Marken, die eine vollkommene Palette für alle denkbaren Arten von Autos aller Preisklassen bieten: vom Liefer- bis zum Rennwagen. Die PKWs von Mercedes hingegen sind noch immer mehrheitlich im goldenen Käfig der Luxusklasse gefangen, den in Zeiten wirtschaftlicher Depression niemand aufzuschließen traut - selbst wenn er den Schlüssel schon in Händen halten sollte.

Über einen möglichen Ausweg aus der Daimler-Krise, der schon seit Monaten erörtert wird, gab es auf der Pressekonferenz allerdings nur beredtes Schweigen: eine Kooperation mit BMW, dem Erzrivalen aus München. Das Thema ist heikel, denn anders als beim gemeinsamen Stammbaum, der Porsche mit VW verbindet, und die seit Jahrzehnten bewährte Partnerschaft zwischen Audi und VW, prallen bei Mercedes versus BMW automobilistische Weltanschauungen, Fahrstile und Stilbewusstsein aufeinander, die schon so lange als unvereinbar gelten, wie es Autos gibt.

Dabei lassen sich durchaus Ähnlichkeiten zwischen beiden Autobauern feststellen, die vielleicht ausreichen, um der Einsicht ins Unvermeidbare der Zusammenarbeit den Weg zu bahnen. Elefantenhochzeiten und entsprechend aufwändige Scheidungen haben beide schon hinter sich: BMW mit Rover und Daimler mit Chrysler. Daimler hat Chrysler zwar längst aus dem Doppelnamen gestrichen, hält aber noch zwanzig Prozent am amerikanischen Autobauer. Der hat einen Tag nach der Jahrespressekonferenz von Daimler seinen Sanierungsplan vorgelegt, der mit weiteren fünf Milliarden US-Dollar an Staatsbeihilfen (zu bereits vorhandenen vier Milliarden) und der Entlassung von weiteren 3000 Beschäftigten rechnet, was immerhin 6 Prozent der Belegschaft entspricht. Klassischer Zukauf oder Fusion kommen also für beide Konzerne nicht in Frage. Wahrscheinlicher als eine Lebensgemeinschaft scheint eine Einkaufsgemeinschaft zu sein, z.b. bei Fensterhebern und Klimaanlagen. Das klingt nicht besonders aufregend, bietet aber bei den von BMW und Daimler insgesamt drei Millionen im Jahr produzierter Kraftwagen ein ganz außerordentliches Sparpotenzial.

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