Probleme überall

Psychologische Hilfe: Eine Mitarbeiterin tröstet ein Kind im Hilfszentrum für Straßenkinder in Zhengzhou (Provinz Henan).
Seit langem beklagen sich nicht-staatliche Pflegeeinrichtungen in China über die abschreckende Bürokratie bei der Anmeldung als gemeinnützige Organisation.
Zhang Shuqin gründete 1996 eine Pflegeeinrichtung für Kinder, deren Eltern im Gefängnis saßen. Die Einrichtung hat mittlerweile sechs Zweigstellen in China und konnte schon mehr als 4000 Kindern helfen.
Zhang berichtet, dass sie ihre Einrichtung nicht als gemeinnützige Organisation anmelden konnte, weil kein Regierungsministerium bereit war, die gesetzmäßig vorgeschriebene Aufsicht zu übernehmen.
"Da das mit der Aufsicht beauftragte Ministerium auch für Misserfolge der überprüften Organisation zur Verantwortung gezogen würde, sind nur wenige Regierungsministerien bereit, diese Aufgabe zu übernehmen", erklärte Zhang gegenüber dem Economic Observer, einem Wirtschaftsmagazin in Beijing. Letztendlich musste sie ihre Einrichtung als Unternehmen anmelden, was aber die Annahme von Spendengeldern unmöglich macht. Sie betreibt nun eigene Bauernhöfe und Obstgärten, um die Kinder versorgen zu können.
In China leben mehr als 5 Millionen Behinderte unter 17 Jahren, 496.000 bis 894.000 Kinder sind von Aids oder HIV betroffen, auf dem Land wachsen 58 Millionen Kinder bei Verwandten auf, weil ihre Eltern in der Stadt nach Arbeit suchen, heißt es in dem Bericht "Child Welfare in China 2011".
Das Land steht nach dem Tod von fünf Straßenkindern in Bijie (Provinz Guizhou) immer noch unter Schock. Am 16. November machten die Jungen ein Feuer gegen die Kälte und starben daraufhin an einer Kohlenmonoxidvergiftung. Bei den Opfern handelte es sich um die Söhne von drei Brüdern. Zwei von ihnen waren nach Guangdong gegangen, um sich dort als Müllsammler durchzuschlagen. Die Leichen der Jungen wurden am nächsten Morgen in der Mülltonne gefunden, in der sie Kohle verbrannt hatten, um sich warm zu halten.
Hou Yuangao ist Generalsekretär einer NGO, die Frauen und Kindern in dem Autonomen Bezirk Liangshan der Yi-Nationalität in der Provinz Sichuan, eine der ärmsten Regionen Chinas, bei Problemen unterstützt, die durch Armut und Drogensucht entstanden sind. Seine Organisation habe in den vergangenen vier Jahren mehr als 2000 Kindern geholfen, berichtete er dem Economic Observer.
Die Zahl der Kinder, deren Eltern wegen Armut, Drogenabhängigkeit oder HIV/AIDS nicht in der Lage, für sie zu sorgen, sei dreimal so hoch wie die Zahl der Waisenkinder, sagt Hou. Trotzdem erhalten diese Kinder nur einen monatlichen Unterhaltszuschuss von 135 Yuan (rund 16 Euro) von der örtlichen Regierung.
"Es ist international bewiesen, dass eine Pflegeeinrichtung nicht die beste Art ist, aufzuwachsen. In jüngerer Vergangenheit hat sich das Modell der Pflegefamilie, wie es von Wohlfahrtseinrichtungen in China getestet wurde, als besseres Umfeld für Waisenkinder erwiesen", heißt es in einer Pressemitteilung des Ministeriums für Zivile Angelegenheiten.
Das Ministerium erklärte außerdem, dass es die Angebote qualifizierter nicht-staatlicher Pflegeeinrichtungen weiter fördern und ihre Situation durch Hilfeleistungen verbessern werde.
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