25-01-2013
Korrespondenten der BR
SOS - Kinder in Not
von Li Li

Zu wenig Einrichtungen

 

 

Ein schönes Zuhause: Pflegekinder spielen im Kinderheim im Kreis Yingshang (Provinz Anhui). Die ehemals größte private Adoptionsinstitution in China wurde erst Anfang 2012 in ein öffentliches Heim verwandelt.

 

Am 6. Januar kündigte das Ministerium für Zivile Angelegenheiten an, einen Monat lang landesweit Sicherheitsinspektionen in privaten Kinderheimen durchzuführen.

In einer Stellungnahme des Ministeriums hieß es, dass die Behörden angehalten seien, örtliche Beamte zu mobilisieren, um Informationen über die Lebensbedingungen in den nicht-staatlichen Adoptions-Einrichtungen, einschließlich nicht registrierter Einrichtungen, zu sammeln.

Falls die Einrichtungen die vorgeschriebenen Maßstäbe nicht erfüllten, sollten die Kinder in staatliche Kinderwohlfahrts-Einrichtungen übermittelt werden, hieß es.

Ob diese allerdings über die nötigen Kapazitäten verfügen, um alle Kinder aus weniger qualifizierten Heimen aufzunehmen, darf bezweifelt werden.

Nach Statistiken des Ministeriums für Zivile Angelegenheiten gibt es rund 615.000 Waisenkinder in China, die Zahl schwankt von Jahr zu Jahr. Rund 109.000 leben in staatlichen Wohlfahrtseinrichtungen, der Rest bei Verwandten oder in privaten Waisenhäusern.

Auf Kreisebene existieren nach Angaben des Ministeriums nur 64 staatliche Fürsorgeeinrichtungen.

Im Bericht „Kinderfürsorge in China 2012", zusammengestellt vom Ministerium für Zivile Angelegenheiten, dem Internationalen Kindernothilfefonds der UN und der Schule für Soziale Entwicklung und Öffentliche Politik an der Beijing Normal University, heißt es, dass in staatlich unterstützten Kinderfürsorgeeinrichtungen hauptsächlich Waisenkinder oder Kinder, die man in der Stadt aufgegriffen hat, untergebracht seien. Waisenkinder auf dem Land können dagegen nur auf die Hilfe von Verwandten und ländlicher Kollektive hoffen. 

"Die Zahl der staatlichen Waisenhäuser ist immer noch viel zu klein, um alle gesunden Waisenkinder unterzubringen, geschweige denn behinderte Kinder", sagt Wang. "Nicht-staatliche Kinderheime sind eine wichtige Hilfe bei Adoptionen. Ohne effektive Strategien, ausreichende Investitionen und gut ausgebildete Mitarbeiter wird es jedoch schwierig sein, diese Einrichtungen aufzubauen."

2009 beschloss das Ministerium für Zivile Angelegenheiten, dass jedem Waisenkind, das in einem Heim aufwächst, ein Unterhaltsgeld von mindestens 1000 Yuan (123 Euro) im Monat zusteht. Kinder, die bei Privatpersonen leben, haben Anspruch auf monatlich mindestens 600 Yuan (73 Euro).

In Wirklichkeit taucht eine große Zahl der Waisenkinder aber weder in den Statistiken der Regierung auf, noch erhalten sie die versprochenen Zuschüsse. Ein Grund dafür ist, dass sie nicht in der Lage sind, die Sterbeurkunde ihrer Eltern oder eine Todeserklärung vorzulegen. Xu Jianzhong, Beamter im Ministerium für Zivile Angelegenheiten, berichtete vor kurzem bei einem Symposium, dass es für Angehörige, die sich um ein Kind mit einem toten und einem verschwundenen Elternteil kümmern, in entlegenen ländlichen Gegenden oft schwierig ist, Dokumente aufzutreiben, die den Tod einer Person dokumentieren.

Auch die strengen Anforderungen an die Überprüfung der Identität der Waisenkinder machten es ihnen nicht leicht, die Unterhaltszuschüsse zu beantragen, sagt Wang.

Das Fehlen eines Kinderwohlfahrtsystems in China macht das Leben auch für andere benachteiligte Kinder schwierig. So erhielt keines der von Yuan adoptierten Kinder Unterhaltsgeld, weil ihre Pflegeeinrichtung nicht offiziell angemeldet war.

 

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